Appleton, Minnesota, USASo, ganze fünf Monate bin ich jetzt schon hier, im kleinen Appleton,
Minnesota. Die ersten zwei Wochen jedoch habe ich in der Nähe von Boston, in
einem College verbracht, um mich mit ca. 600 anderen Austauschschülern aus
aller Welt auf mein Jahr vorzubereiten. Wir haben (mehr oder weniger
fleißig) amerikanische Geschichte und Geografie gelernt, die Staaten
besprochen, über aktuelle Ereignisse diskutiert und einfach alles andere,
was für unser Jahr relevant sein könnte, durchgenommen. Nach einer endlosen Nacht mit einer Abschiedsfeier leerte sich der
Campus so langsam, bis dann morgens um fünf auch endlich mein Bus zum
Flughafen ging. Nachdem wir etwa eine Stunde später endlich meine Koffer hatten, machten wir uns dann auf den Weg in mein neues Zuhause, das ca. 3 Stunden entfernte Appleton. Appleton hat ca. 2000 Einwohner, wozu allerdings auch die 1000 Insassen des örtlichen Gefängnisses zählen, also beschränkt sich die wirkliche Zahl der Einwohner auf ca. 1000. Begrüßt wurde ich dort dann von schwülen 45 Grad und einer Luftfeuchtigkeit von 90%, was das Ganze ziemlich unerträglich macht. Die Klimaanlage im Haus lief fast den ganzen Tag, aber nichtsdestotrotz habe ich die nächste Zeit viel im Keller verbracht, weil es einfach der einzige angenehm kühle Ort der Umgebung war. Hielt ich all die Klimaanlagen und Eismaschinen bei meiner Ankunft hier doch für etwas übertrieben, habe ich sie in dieser Zeit doch sehr zu schätzen gelernt. Die ersten Tage mit meiner Gastfamilie waren herzlich, doch immer noch relativ distanziert, aber mit der Zeit wurde ich immer sicherer in meinem Englisch und mittlerweile habe ich mich hier prima eingelebt und fühle mich zu Hause. Zwei Wochen später, immer noch während meiner Sommerferien, fing dann das Volleyballtraining für die nächste Saison an. Das hieß dann jeden Tag 4 Stunden harte Arbeit in brütender Hitze. Egal wie heiß es war, es wurden mindestens 3-4 km gelaufen, dazu unzählige Konditions- und Kraftübungen, wie Liegestützen, Sit-ups, Sprints, Gewichtheben und vieles anderes. Im großen und ganzen hatten wir vielleicht eine Stunde täglich einen Volleyball in der Hand und den Rest des Tages haben wir mit Kondition und Kraft verbracht. Ich muss sagen, die Amerikaner haben in der Hinsicht ganz schön was drauf, und aufgeben gibt's nicht, denn wenn einer schlampt, macht es das ganze Team noch einmal. Eine meiner Teamkolleginnen sagte eines Tages: " Wenn du die ersten vier Wochen überstehst, dann wird's einfach, also Augen zu und durch". Und sie hatte Recht. Als dann schließlich Mitte September die Schule anfing, ging die Saison los, und das Training beschränkte sich auf dreimal die Woche nach der Schule, die anderen zwei Tage hatten wir Spiele, genauso an den Wochenenden. Die Saison endete schließlich im Oktober, da Sportarten an amerikanischen Schulen saisonweise angeboten werden. Seit Oktober tanze und schwimme ich nun, d.h. Training mindestens 6 Tage die Woche, im Großen und Ganzen kommt man mit Leichtigkeit auf 15-20 Stunden Training wöchentlich . Dazu kommt, dass man fürs Tanzen viel, viel dehnen muss, und das nicht nur im Training, sondern auch privat, was täglich mindestens noch mal eine Stunde beansprucht.
Ja, am 4. September fing dann hier auch die Schule an. Ich hatte mir im vorhinein schon ein Kursbuch besorgt, um mich mit der Fächerauswahl vertraut zu machen und langsam rauszufinden, was ich denn belegen wollte. Das dauerte dann auch seine Zeit, denn bei einem Angebot von ca. 100 verschiedenen Kursen (und ich bin an einer relativ kleinen Schule) fällt einem die Wahl nicht unbedingt leicht. Letztendlich habe ich mich für das erste Halbjahr für
entschieden. Das war auch eine relativ gute Wahl, wobei ich fürs zweite Halbjahr ein paar Fächer umgewählt habe. Der Unterricht hier beginnt um 8:20 und endet um 15:07. Eine Stunde dauert 49 Minuten und nach jeder Stunde haben wir 4 Minuten Pause, sowie 30 Minuten nach der vierten Stunde. Die vier Minuten Zwischenstunde bekommen wir um unsere Sachen zu unserem Locker zu bringen, so dass wir nicht immer die Hefte und Bücher für alle Fächer mitschleppen müssen. Das ist auch eine wirklich sinnvolle Idee, da wir hier ja von Klassenzimmer zu Klassenzimmer wandern, d.h. die Lehrer haben ihre eigenen Klassenzimmer. Und Bücher hier haben durchschnittlich ca. 600-700 Seiten und wiegen damit schon beträchtlich, etwa so viel wie ein Wörterbuch oder eine Schulbibel. Eine andere Sache, die mir hier richtig gut gefällt ist die Nachrichtenübertragung. Jeden Morgen nach Ende der ersten Stunde haben wir eine 15-minütige Nachrichtensendung (dafür ist in jedem Raum ein Fernseher), um uns über die neuesten Nachrichten zu informieren. Meine Schule, wie alle anderen Schulen hier in der Umgebung hat keine einzige Treppe, da die Amerikaner in Treppen eine zu hohe Verletzungsgefahr sehen. So ist die Schule in der Fläche riesig und man geht in diesen vielen Gängen, gerade am Anfang, schnell verloren. Schule an sich ist hier relativ leicht, was jedoch auch mit von der Kurswahl abhängig ist. Richtig begeistert bin ich vom "School Spirit" hier. Zu
jedem Spiel der Schulmannschaft kommen fast alle Schüler, die Schulband
spielt und es wird fleißig angefeuert. Richtig lustig ist aber hier auch, dass alle mit 16 Auto fahren können. Daher hat meine Schule einen wirklich riesigen Parkplatz, der auch relativ voll ist. Dazu wird die Schule geschlossen, wenn es richtig neblig ist, da die Schulleitung besorgt ist, dass nicht alle Schüler, die mit dem Auto kommen, heil in der Schule ankommen. Auch wenn es viel schneit wird die Schule aus Sicherheitsgründen (wegen der vielen Autofahrer) einfach geschlossen. Das kann man dann morgens auch im Fernsehen oder im Radio erfahren. So steht man morgens auf, macht den Fernseher an, und sobald man herausgefunden hat, dass die Schule wegen Schneefall geschlossen ist, kann man wieder ins Bett gehen. Ich habe also in den letzten 5 Monaten viel, viel Neues erlebt und vieles ist hier einfach anders. Aber ich genieße wirklich jeden Tag und bereue meine Entscheidung hier her zukommen keine Sekunde.
September 11, 2001 in AmerikaIch war gerade mal 2 Monate in Amerika, und alles schien
noch ziemlich ungewohnt. Die Reaktionen auf die Ereignisse waren enorm. Mein
Gastvater, ein Pfarrer, ging noch am gleichen Abend zurück in die Kirche
um der Kirchengemeinde eine Gelegenheit zum Gebet zu geben und dazu
einfach eine Gelegenheit sich gegenseitig Trost zuzusprechen und Emotionen
auszutauschen. Das tat er auch den Rest der Woche, nachdem viele Interesse
und Bedürfnis dafür gezeigt hatten. Der Patriotismus, für den Amerika ja bekannt ist, erreichte in den Wochen nach den Anschlägen einen neuen Höhepunkt. Die Nachfrage nach patriotischen Liedern, amerikanischen Flaggen und anderen Sachen, die den Nationalstolz der Amerikaner widerspiegeln, stieg enorm. Nur einen Tag nach den Vorfällen wurden die Fahnen im ganzen Land auf Halbmast gezogen und so blieb das auch für eine lange Zeit. Viele Football- und Baseballspiele wurden für längere Zeit abgesagt zu Ehren der Opfer der Anschläge vom 11. September. Zum Anfang der High School Sportveranstaltungen wurde von nun an ein Text zu Ehren der Opfer und als Erinnerung an diesen Tag der amerikanischen Geschichte vorgelesen. Für mich war das alles eine eigenartige Erfahrung. Nicht
nur weil ich dies alles hier in Amerika miterlebte, und es mich, wie den
Rest der Welt völlig überraschte, nein, auch, oder gerade weil ich noch
kurz vorher, Ende Juli, im World Trade Center war. Auf meinem Trip nach
New York besuchten wir auch das WTC, schossen Fotos, waren Shoppen im
Einkaufszentrum, das sich im Keller des WTC befand, und schauten uns um.
Und nun auf einmal ist all das verschwunden. Diese Türme, die ganz Amerika
so stolz machten, diese Türme die das Stadtbild New Yorks so sehr prägten.
Es ist ein komisches Gefühl zu wissen, dass die Menschen, von denen wir
damals unsere Postkarten kauften und der nette Polizist, der Tag ein Tag
aus vor dem WTC stand und uns bereitwillig half unseren Weg zu finden,
dass all diese Leute nun wohl nicht mehr unter uns sind. Heute, fast ein halbes Jahr nach den Anschlägen, ist vieles wieder wie es vor dem 11.September war. Dennoch hat sich vieles geändert. Der Patriotismus ist immer noch wesentlich ausgeprägter, aber vor allem ist Amerika stärker zusammen gewachsen. "United we stand", "God bless the USA" und "In God we Trust" sind aus Amerika nicht mehr wegzudenken.
Neues aus AmerikaNun bin ich schon ganze 8 Monate hier in Amerika und die Zeit ist wie im Flug vergangen. Ich kann mich noch sehr gut an den Tag, an dem ich hier ankam, erinnern, so als wäre es erst gestern gewesen. Auf der anderen Seite habe ich mich hier so gut eingelebt, dass ich das Gefühl habe, dass ich schon seit ein paar Jahren hier bin. Dennoch fange ich langsam an festzustellen wie schnell die Zeit vergeht und dass es schon bald wieder Zeit ist "Goodbye" zu sagen und zurück nach Deutschland zu kommen. Was in den Monaten seit ich das letzte Mal geschrieben habe so passiert ist? Eine ganze Menge. Erst mal Weihnachten. Alles in allem ist Weihnachten in
Amerika nicht grundlegend anders als in Deutschland. Dennoch gibt es viele
kleine Unterschiede, die es doch zu einem interessanten Erlebnis machen. So
wird Weihnachten nicht wie bei uns am Abend des 24. gefeiert sondern im
Laufe des Tages am 25. Außerdem neigen Amerikaner dazu alles etwas zu
übertreiben; so bekommt man hier alles was man sich nur irgendwie vorstellen
kann in speziellen Weihnachtseditionen: Snickers, Mars, M&Ms in
Weihnachtsfarben, und vieles, vieles mehr. Eine andere amerikanische Sitte
ist, jedem und wirklich so ziemlich jedem, den man kennt, einen
Weihnachtsbrief zu schreiben. Weihnachtsbriefe sind ungefähr eine Seite lang
und erzählen, was im letzten Jahr so passiert ist: Hochzeiten, Todesfälle,
Unfälle, lustige Ereignisse oder eben alles was für die Familie bedeutend
genug ist, um Freuden, Verwandten und Bekannten einen groben Überblick zu
geben und sie aufs Laufende zu bringen über das, was im Moment so in ihren
Leben vorgeht. Üblicherweise wird hierzu dann auch noch ein Familienfoto
geschickt, um jedem zu ermöglichen sich ein Bild zu machen, auch wenn man
sich schon seit längerem nicht mehr gesehen hat. Es ist also durchaus normal
in der Weihnachtszeit ca. 100 Weihnachtskarten und Briefe zu erhalten. Am zweiten Weihnachtstag machten wir uns dann auf den Weg
nach Oklahoma, ungefähr 12-13 Stunden von dem Ort, wo ich hier in Minnesota
lebe, um den Bruder meines Gastvaters und dessen Familie dort zu besuchen.
Dies war insbesondere eine gute Idee, weil wir somit den doch etwa extremen
–30°C entfliehen konnten und die frühlingshaften 10°C für ein paar Tage
genießen durften. Es war ein wirklich lustiger Trip vor allem da ich die
Gelegenheit bekam meine Gastcousinen und -cousins kennen zu lernen. Am 30.12. kamen wir dann zurück, um Silvester zu Hause zu verbringen. Da ich so kurzfristig zurückkam, wusste niemand, dass ich schon wieder zurück war und so verbrachte ich Silvester mit meiner Gastfamilie zu Hause. Silvester in Minnesota war dann doch etwas ungewohnt, da Feuerwerkskörper hier verboten sind, d.h. das einzige was man hier wirklich macht, ist bis zwölf wach bleiben, dann anstoßen und ins Bett gehen. Der Monat danach war relativ ruhig, und alles stellte sich
auf das neue Jahr ein und ging guten Vorsätzen nach, die mittlerweile doch
über Bord gegangen sind. Im Februar fing es dann an wieder richtig
stressig zu werden. Mein Tanzteam fing an sich auf den Saisonendspurt mit
Sections und State vorzubereiten (entspricht in Deutschland wohl den
Bayrischen und Deutschen Meisterschaften). Das hieß dann auch gleich ca. 4-5
Stunden Training am Tag und von freien Wochenenden war gar nicht mehr die
Rede. Aber die harte Arbeit lohnte sich und wir wurden dritter bei den
Sections und lösten somit das Ticket zu den State Championchips. Das war
eine der beeindruckendsten Erfahrungen seit ich hier bin. Freitag Mittag in der Mittagspause ging es los. Erst mal kamen nach alter Sitte zwei Feuerwehr-Löschfahrzeuge um uns viel Glück zu wünschen. Dazu kamen die Eltern von fast allen Teammitgliedern um uns beste Wünsche mit auf den Weg zu geben. Die Feuerwehrwagen eskortierten uns dann auch noch ein Stück vorbei an der Grundschule im Nachbarort, vor der die Grundschüler mit Plakaten standen um uns Glück zu wünschen. Nach ca. 3 Stunden kamen wir dann auch endlich in Minneapolis an, und breiteten uns erst mal im Hotel aus. Am nächsten Morgen hieß es dann früh aufstehen und fertig machen für unseren großen Tag, schließlich waren wir favorisiert in die Runde der letzten Sechs zu kommen und dementsprechend aufgeregt waren wir auch. Die Meisterschaften an sich sind schon ein überwältigendes Erlebnis. Getanzt wird in einer Arena in der normalerweise die Eishockeyteams spielen, vielleicht nicht ganz so groß wie das Olympiastadions bot sie dennoch Platz für ein paar tausend Besucher. Letztendlich war das Ergebnis der Meisterschaften ziemlich enttäuschend, da uns ein paar unnötige und leichtsinnige Fehler unterliefen und wir als elfte das Finale der letzten Sechs nur als Zuschauer miterleben durften. Dennoch war der Trip einfach super! Mittlerweile ist die Saison zu Ende und wir haben zwei
trainingsfreie Wochen bevor nächsten Montag dann die Frühlingssportarten wie
Leichathletik, Golf und Baseball anfangen. Zwar ist es momentan noch zu kalt
um draußen zu trainieren (wir haben immer noch ca. –25°C) aber das Training
wird eben solange in der Halle abgehalten. Ich werde nun Leichtathletik
machen, und zusammen mit ein paar anderen Teammitgliedern noch einmal
versuchen meinen Weg bis zu den State Championchips zu erkämpfen. Britta Sölter |
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