Doniphan, Nebraska, USA

April 2004
Nicole mit Gastfamilie  
Nicole Haaf (links)  

Liebes Effner

mittlerweile bin ich schon ueber drei Monate hier in Doniphan/Nebraska, und es gibt einiges zu erzaehlen.

Nachdem ich erst fuenfzehn Jahre alt bin, hab ich mich entschlossen nur fuer ein halbes Jahr in den USA zu bleiben.

Als ich am 7.Januar 2004 hier in der naechst groesseren Stadt namens Grand Island angekommen bin, hab ich erst mal gedacht, dass ich am Ende der Welt gelandet bin. Diese Gegend erinnert sehr stark an einen Wild West Film und wir brauchen ungelogen eine halbe Stunde bis zum Supermarkt um mal nur schnell einzukaufen. Ueberall sind nur Felder und ab und zu mal ein verlorene Kuh zu sehen.... ach ja nicht zu vergessen, wenn man Glueck hat, kann man vielleicht an der Strassenseite ein abgebranntes bzw. herunter gekommenes Farmhaus sehen. Okay, Spass bei Seite, aber so ungefaehr kann man sich das Ganze schon vorstellen.

Meine Gastfamilie ist einfach fantastisch und sie sind wirklich schon so etwas wie meine zweite Familie geworden. Ich hab eine Gastmutter, Deanna, eine kleine Gastschwester, Emily die 10 ist und einen Gastvater, Fred. Sie kuemmern sich um mich, als ob ich ihre Tochter waere und wir haben auch sehr viel zusammen erlebt.

Um ein Beispiel zu nennen, Fred hat mir die letzten zwei Sonntage immer Fahrstunden gegeben und ich hatte wahnsinnig viel Spass. Hier in Amerika ist es kein grosses Problem einen Fuehrerschein zu bekommen. Es gibt naemlich die sogenannten "Learner's permit" was so viel ist wie ein Fuehrerschein, den man mit 14 (!) bereits bekommen kann, aber man darf nur mit einer Person, die ueber 21 ist fahren. Zusaetzlich gibt es noch verschiedene andere Varianten, wie "School's Permit" die einem/r 14jährigen, der/die ueber zwei Meilen von der Schule entfernt wohnt, erlaubt zur Schule zu fahren und zurueck. Es war ein total seltsames Gefuehl fuer mich am Anfang, als ich mit meinen Freunden im Auto gefahren bin.

Um Mal ein bisschen was von der dem amerikanischen Schulsystem zu schreiben: es ist einfach total anders. Das erste, was mir aufgefallen ist, war, dass die Schueler ihre Faecher selber auswaehlen und auch jeden Tag den gleichen Stundenplan haben. Das heisst naemlich auch, dass man jede Stunde mit anderen in einer Klasse ist und jeder Lehrer hat sein eigenes Klassenzimmer. Aber auch das Notensystem ist eigentlich nicht mit dem unserigem zu vergleichen, da die Noten hier in Prozent gegeben werden, es heisst aber nicht gleich, dass man gut ist, wenn man 70 % hat, weil das in der Regel schon eine 4 oder 3- ist. Wirklich gut ist man nur wenn man ueber 90 % hat, den Rest kann man vergessen!! Aber um jetzt mal ehrlich zu sein, bis jetzt hatte ich noch keine Probleme in der Schule und man muss sich schon ausgesprochen bloed anstellen um weniger als 80 % in einem Test zu bekommen. Auch als ich mit anderen Austauschschuelern geredet haben, haben die mir eigentlich das Gleiche bestaetigt. Unter uns gesagt, die Schule in Deutschland ist schon um einiges schwerer als in Amerika.

Aber ich moechte jetzt auch noch etwas sehr Positives ueber die amerikanischen Schule schreiben: sie bieten wahnsinnig viel Sport an und es herrscht ein absolutes Zusammengehoerigkeitsgefuehl, wenn es darum geht ein 'Game' oder einen Wettkampf zu gewinnen. Zum Beispiel bin ich im Leichtathletikteam und wir haben jede Woche ein 'Trackmeet', oder Wettkaempfe gegen andere Schulen. Und es ist voellig egal, ob du gut oder schlecht bist, jeder, aber wirklich jeder sagt irgendwas wie "Good job" oder "Keep going". Ausserdem wird jeder angefeuert, egal ob man denjenigen leiden kann oder nicht und wenn ich zum Beispiel die 800 Meter renne, hoere ich jedesmal von irgendjemanden sowas wie " Let's go Nikki!" , "Keep it up!" oder einfach nur "Come on, you're doing fine!". Ich hab gemerkt, dass wir das so nicht haben in Deutschland, aber ich glaub, der Grund ist, dass bei uns einfach nicht so viel Sport von den Schulen aus angeboten wird.

Zum Schluss moechte ich noch schreiben, dass es wirklich eine einmalige Erfahrung ist und ich kann nur sagen, wenn du irgendwie die Moeglichkeit hast im Ausland zu leben, "Take your chance". Ich merke, dass ich Unbeschreibliches erlebt, erfahren und gelernt habe. Das haette mir nie passieren koennen, wenn ich in Deutschland geblieben waere.

Hoffentlich hab ich jedem eine Vorstellung von dem amerikanischen Leben geben koennen, ich kann nur von mir sagen, dass es die Chance meines Lebens war und ich werde es niemals bereuen.

Alles Liebe

 
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