Dr. Dr. Alois Hundhammer

1900 - 1974

Im Jahre 1933 wurde Dr. Dr. Alois Hundhammer  von den Nationalsozialisten in das KZ Dachau eingeliefert. Dort verbrachte er mehrere Wochen unter Schlägen, Demütigungen und Quälereien. Er ließ sich jedoch nicht einschüchtern, blieb seinen Prinzipien treu und wurde später Kultusminister, Landwirtschaftsminister und sogar stellvertretender Ministerpräsident, kurzum einer der geachtetsten Politiker Bayerns. Charakterfest, prinzipientreu, gradlinig, streng religiös, aber trotzdem umgänglich. Wer war dieser Mann?

"Er ist ein Monument von Liebenswürdigkeit und bayrischer Lebensart. Ein Wahrzeichen Bayerns."

Herbert Wehlheise, Münchner  Merkur

 

 

1. Herkunft

Alois Hundhammer wurde am 25. Februar 1900  als erstes von 13 Kindern in Forstinning, bei Ebersberg, nordöstlich von München geboren. Er genoss eine streng katholische Erziehung, musste sehr früh lernen Verantwortung zu übernehmen und führte so ein sehr diszipliniertes Leben. Seine Familie besaß dort einen Bauernhof und wann immer er später als Student die Möglichkeit hatte, kehrte er an den väterlichen Hof zurück und pflügte die Felder oder hütete die Kühe, vor welchen er auch seine ersten Reden hielt. 

Der Musterschüler wurde in die Klosterschule in Scheyern eingeschult und besuchte danach das humanistische Domgymnasium in Freising. Er übersprang mehrere Klassen und bestand sein Abitur als einer der Besten. 

Nach einer kurzen Militärdienstzeit beim Bayrischen Infanterieleibregiment begann er in München (für 2 Semester in Budapest) Philosophie, Geschichte, Staatswissenschaften und Volkswirtschaft zu studieren und promovierte 1923 zum Doktor der Philosophie und 1925 zum Doktor der Nationalökonomie.

Zu dieser Zeit stand sein Berufswunsch Politiker zu werden, durch die damaligen politischen Unruhen bekräftigt, schon lange fest. So wurde er 1924 Referent bei der Bezirksbauernkammer, hatte 1927 das Amt des stellvertretenden Generalsekretärs des Christlichen Bauernvereins inne und wurde schließlich 1932 für die Bayrische Volkspartei in den Landtag gewählt.

 

2. ”Den Hundhammer, den Hund hamma!”     

( O-Ton eines SS-Mannes bei derEinlieferung Hundhammers nach Dachau)

Seine Position im Landtag nutzte Hundammer dazu, um in den schärfsten Tönen vor den Nationalsozialisten zu warnen. Das Gedankengut der Nationalsozialisten widersprach seinen Idealen und seiner demokratischer Gesinnung vollkommen, da sie die Kirche ablehnten, den Antisemitismus forderten und den Hass als Mittel zur Politik benutzten.

”Ich war von der Überzeugung, dass der Nationalsozialismus mit seinem Radikalismus dem deutschen Bauernstand letztlich nicht nutzen, sondern einen Schaden bringen würde und deswegen haben wir uns mit Nachdruck bemüht, Dr. Heim vor allem, aber auch Schlittenbauer, ich selber und all diejenigen, die in der Agrarpolitik damals tätig waren, den Bauernstand davor zu bewahren, dass er dem Nationalsozialismus verfiele.”

Auf Grund dieser Haltung wurde Dr. Dr. Alois Hundhammer am 13. Juni 1933 von der Gestapo festgenommen und nach 8 Tagen Einzelhaft im Münchner Polizeipräsidium in das am 22.03.1933 ”eröffnete” Konzentrationslager Dachau als Schutzhäftling gebracht.

Durch seinen hohen Bekanntheitsgrad war er dort von Anfang an den Verspottungen, Beleidigungen und Quälereien der Wachen besonders stark ausgesetzt. Er jedoch blieb seinen Prinzipien treu, ließ sich nicht einschüchtern und genoss dadurch besonderes Ansehen unter den Häftlingen. 

Ein Mithäftling erzählte: 

”Auf einer roh gezimmerten Trage musste er mit einem anderen Häftling Steine schleppen. Als der andere einen Stoß mit dem Gewehrkolben von einem der begleitenden SS-Posten ins Kreuz erhielt, weil er zu langsam ging,  fiel er nach vorn und riss Hundhammer mit der schweren Last der Trage zu Boden. Sofort stürzte ein SS-Posten auf ihn zu und tönte: “Die Griffe sind wohl zu glatt Herr Doktor, da werden wir sie etwas aufrauen.” Und schon griff er nach seinem Seitengewehr und hieb auf die Griffe ein, bis sich das Holz in fingerlangen Splittern spreizte. Dann zwang er Hundhammer die Trage wieder hochzunehmen und die Last weiterzuschleppen. Die scharfen Splitter drangen Hundhammer tief ins Fleisch, das Blut rann ihm von den Händen. Da geschah etwas unfassbares. Er ließ die Trage los, hob seine blutig geschundenen Hände seinem Peiniger hin und dastehend, wie eine Säule des  Zorns schrie er ihn an : “Geht man so mit einem Menschen um?” Der SS-Mann war so verblüfft, dass er vergaß seinen Revolver zu ziehen und zu schießen. Der Kraft dieses Menschen und der trotz des Häftlingskleides von ihm ausstrahlenden Würde, die ihm in dem gefährlichsten Augenblick seines Lebens nicht verließ, waren diese primitiven Folterknechte nicht gewachsen.”

Durch die Hilfe eines Freundes, der gute Kontakte zu den Nazis besessen haben soll, wurde Hundhammer am 06. Juli 1933 aus dem KZ Dachau entlassen. Seine politischen Ansichten über die Nationalsozialisten und über Hitler, haben sich durch dieses traurige Kapitel seines Lebens jedoch keineswegs geändert.

Einige Jahre später nach seinen Gedanken über die damalige Zeit gefragt, antwortet er:

”Mit Hitler begann eine Persönlichkeit dann an die Spitze dann dieser Ideologie zu treten(...), die ein vom Satan besessener Demagoge war."                               

Nach seiner Entlassung war Hundhammers Hauptsorge die Ernährung seiner Familie. Zu diesem Zweck legte er eine Fachkundeprüfung im Schuhhandel ab und konnte 1934 seine eigene Schuhreparaturwerkstätte in der Sendlinger Strasse in München eröffnen.

Doch damit war seine Leidensgeschichte durch die Nazis noch keineswegs beendet. 1939 wurde er wurde er zur Wehrmacht einberufen, wo er, bis er in amerikanische Kriegsgefangenschaft geriet, als Zahlmeister tätig war.  Aus der Zeit der Kriegsgefangenschaft rührt auch sein für ihn charakteristischer Vollbart, den er sich damals mangels Rasierzeugs hatte stehen lassen und an dem später noch viele Karikaturisten ihre helle Freude haben sollten.

 

3. Hundhammer kontra Müller

Im Sommer 1945, nach der Entlassung aus der Kriegsgefangenschaft, gründete Hundhammer zusammen mit u.a. Karl Scharnagel, Josef Müller und Fritz Schäffer eine neue Partei, als Gegengewicht zur SPD und KPD, die Christlich-Soziale-Union (CSU). Alois Hundhammer war Mitglied der verfassunggebenden Landesversammlung und wurde von den CSU Fraktionsabgeordneten am 15.Juli 1946 zum Fraktionsvorsitzenden gewählt. Trotz der anhaltenden Streitigkeiten, die sich zwischen ihm und Josef Müller entwickelten und die Partei spalteten, behielt er diese Stellung bis 1951 inne.  Josef Müller , der ”Ochsensepp”, trat für religiöse Toleranz ein und war föderalistisch eingestellt, während der ”Schwarze Alois” zusammen mit Fritz Schäffer den katholisch-konservativ-altbayrischen Flügel vertrat. Hundhammer forderte die bayrische Eigenstaatlichkeit und zusammen mit Wilhelm Hoegner die Etablierung eines bayrischen Staatspräsidenten, was er jedoch nicht durchsetzen konnte.Müller und Hundhammer behinderten sich gegenseitig. So verhinderte Hundhammer 1946 die Wahl des Ochsensepp zum Ministerpräsidenten, Josef Müller gelang es die Wahl Hundhammers zum Parteivorsitzenden abzuwenden.

Hans Ehard, der keinem der verfeindeten Lager der CSU angehörte, wurde schließlich 1946 auf Vorschlag Hundhammers zum Ministerpräsidenten gewählt. Unter seiner Regierung wurde Hundhammer Staatsminister für Unterricht und Kultus.

 

4. Prügelstrafe,  Abraxas und Bekenntnisschulen

Nicht immer war man über Hundhammers Entscheidungen glücklich. Die Missgunst einiger seiner Parteikollegen und von Teilen der Bevölkerung zog sich Hundhammer dadurch zu, dass er 1947 die Wiedereinführung der Prügelstrafe durchsetzte, was heftige Diskussionen auslöste.  Die Empörung über den  ”Abraxas”-Skandal 1948 war sogar noch größer. Das sehr freizügige Ballett von Werner Egk, das in der Bayrischen Staatsoper  mit großem Erfolg aufgeführt wurde, ließ er absetzen, da es ihm zu unkeusch war und er ”solche Dinge” nicht auf Staatskosten aufgeführt  sehen wollte.

”Ja, ich verantworte dieses Verbot,  vor der Geschichte und vor der Kultur.”

Fast in Vergessenheit geraten sind dagegen seine Verdienste für das bayrische Schulsystem.  Hundhammer  gelang es,  die Einführung des amerikanischen Schulsystems zu verhindern und stattdessen die christliche Bekenntnisschule in der Verfassung zu verankern.

Dies alles gegen den Willen der Amerikaner, deren Geheimdienst zur damaligen Zeit  erwogen hatte, Hundhammer festzunehmen, um ihn von seinem Posten als Kultusminister verdrängen zu können und so ihre Wünsche doch noch durchzusetzen.

Hundhammer erreichte gleich nach dem Krieg, noch vor der Währungsreform, dass Schulbücher gekauft wurden und er richtete 1948 ein Stipendium zur Unterstützung von hochbegabten und bedürftigen Abiturienten ein, das heute immer noch bestand hat.

 

5. Von der Kultur zur Agrikultur

1950 gab Hundhammer sein Amt als Kultusminister auf und wurde am 19. Juni 1951 zum Landtagspräsidenten gewählt.  Dieses Amt hatte er bis 1954 inne.

Die folgenden drei Jahre trat Hundhammer in den Hintergrund widmete sich vielen katholischen Verbänden, denn er war u.a. Inhaber des Großkreuzes mit Stern des Päpstlichen-Silvester-Ordens und Ritter des Ordens vom Heiligen Grabe.  Er war Mitglied des Petra-Kreises und gehörte somit zur einflussreichen katholischen Münchner Prominenz.

1954 wurde ihm das Großkreuz des Bundesverdienstkreuzes verliehen, er wurde mit der Goldenen Verfassungsmedaille des Freistaates Bayern ausgezeichnet, außerdem war er Ehrenrepräsentant der Deutsch-Ungarischen Gesellschaft und Ehrenvorsitzender des Landesverbandes der katholischen Männervereine Bayerns.

Doch von der Politik konnte er nicht lassen. Von 1957-1969 war er Landwirtschaftsminister in den Kabinetten von Seidel, Ehard und Goppel, unter Goppel auch stellvertretender Ministerpräsident (1966-1969). Er leitete die Flurbereinigung ein, die den Bauern bessere Wirtschaftsmöglichkeiten eröffnete und versuchte die Lebensbedingungen dieses Standes, mit dem er sich so verbunden fühlte, zu verbessern.

Zu dieser Zeit setzte er sich auch stark für das Errichten einer Gedenkstätte im ehemaligen KZ Dachau ein, das inzwischen zu einem Wohnlager für Flüchtlinge und Heimatlose geworden war.  Neue Wohnhäuser wurden für die Flüchtlinge gebaut und am 09.Mai.1965 eröffnete der Landwirtschaftsminister Alois Hundhammer die neue Gedenkstätte. 

1969 musste er alle seine Ämter wegen Krankheit aufgeben. Er starb am 01. August 1974, mit 74 Jahren, an einem Nierenleiden.

Bei seiner Beerdigung waren viele bayrische Politiker anwesend, die seine Leistungen würdigten und ihn in den höchsten Tönen für seinen Einsatz für Freiheit und Gerechtigkeit lobten.

“Mit Hundhammer nehmen wir von einer hervorragenden und profilierten Persönlichkeit der politischen Bühne der Weimarer Zeit und des neuen demokratischen Bayern Abschied.” Er nannte Hundhammer einen ”Mann der guten Bayrischen Tradition, einen bewussten Föderalisten und einen Mahner vor neuem Nationalsozialismus.”

(Landtagspräsident Rudolf Hanauer)

 "Dieses Land hat er mit aller Kraft geliebt, für dieses Land hat er sich mit all seiner Kraft, Zeit seines Lebens eingesetzt. Dieses Land schuldet ihm Dank."

(Der damalige Ministerpräsident  Alfons Goppel)

 

Quellen: 
Dr. Paul Hussarek, ”Hundhammer”;  
Bayern2 Radio, Freitag  25.02.00, 15.00 Uhr:”Katholisch, föderalistisch, konsequent”.

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