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Gesichter der Lagerstrasse Dachauer Häftlinge Im Nachkriegseuropa
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Mit der Befreiung des Konzentrationslagers Dachau durch amerikanische Truppen am 29. April 1945 nahm das jahrelange Leiden der Häftlinge ein Ende. Doch wie sollte es weiter gehen? Viele der Inhaftierten standen vor dem Nichts, das Zuhause zerstört, die Familie umgekommen oder in alle Winde zerstreut. Man hätte meinen können, das persönliche Leid der Opfer des Nationalsozialismus sei so groß gewesen, dass für Überlegungen über eine politische Zukunft kein Platz war. Gerade das Konzentrationslager Dachau aber war ein Lager der "Politischen" gewesen, der Häftlinge, die den roten Winkel trugen. Und so erleben wir, dass es immer wieder "Dachauer" waren, die nach 1945 politische Verantwortung in ihren Ländern übernahmen. Gemeinsam war ihnen allen das "Nie wieder" zu Faschismus, Rassenhass und Unterdrückung der Freiheit, so verschiedene Wege sie auch gingen, ob sie zu den Begründern der CSU gehörten wie Josef Müller (der "Ochsensepp") oder Alois Hundhammer, ob sie führende Sozialdemokraten waren wie Kurt Schumacher oder Thomas Wimmer oder ob sie sich den Kommunistischen Parteien anschlossen wie der letzte Dachauer Lagerälteste Oskar Müller oder der Österreicher Viktor Matejka. Und weil sie aus verschiedenen europäischen Ländern nach Dachau deportiert worden waren, war das KZ Dachau eine Keimzelle demokratischen Denkens in vielen Ländern Europas, aber auch der Versöhnung über Ländergrenzen hinweg. Der Belgier Arthur Haulot, der Franzose Edmond Michelet, der Österreicher Hermann Langbein, der Niederländer Nico Rost - sie standen für eine internationale Häftlingsgesellschaft, die der Garant sein sollte und wollte für eine Zukunft des friedlichen Zusammenlebens der Völker Europas. Sie alle versuchten in ihren Ländern die Konsequenz aus ihren Dachauer Erfahrungen zu ziehen. Doch man muss ehrlich sein. War es der "Geist der Lagerstraße", dieses breiten Weges zwischen den langen Reihen der Häftlingsbaracken, wo man sich über Länder- und Parteigrenzen hinweg traf und austauschte, war es dieser Geist internationaler Solidarität und Toleranz, der bestimmend wurde in Deutschland und Europa nach 1945?
Vortrag zur Eröffnung der Ausstellung "Gesichter der Lagerstraße" von Hans-Günter Richardi |