Konrad Kübler


15.05.1884 - 30.10.1974

Werdegang

Der gelernte Buchdrucker arbeitete zunächst in verschiedenen Buchdruckereien in Deutschland und Österreich, bis er schließlich selbst in Stuttgart eine Buchdruckerei und einen Zeitungsverlag gründete. Dort gab er die politische Tageszeitung "Landauer Volksblatt" heraus, welche bald die meistgelesenste Tageszeitung der Region wurde. Erfahrung im Bereich politischer Schriften hatte er bereits, er war schon länger Mitarbeiter politischer Zeitungen demokratischer Richtung. Seine Zeitung war die Artikulationsmöglichkeit der Partei "Bayrischer Bauernbund", dessen Vorstand er angehörte. Er stand nach eigenen Worten "in schärfstem Kampf mit der Reaktion und nach Gründung der NSDAP im Kampf gegen die nationalsozialistische Bewegung."

1. Verhaftung

Nachdem er für kurze Zeit Verweser des Bayrerischen Justizministeriums gewesen war, wurde er auf Betreiben der rechten Kräfte verhaftet und 2 Monate in militärische Schutzhaft genommen. Vor dem anschließenden Standgericht wurde er jedoch freigesprochen.
Danach führte er seinen Widerstand gegen die NS-Diktatur weiter, wurde in Landau in den Stadtrat gewählt und war außerdem Mitglied des Bezirkstages, der Industrie- und Handelskammer und weiteren wirtschaftlichen, kommunalen und politischen Organisationen.
Er unternahm umfangreiche Reisen nach Russland und gehörte auch der "Eisernen Front" an. Zudem war er Mitglied der Reichsleitung des Reichsbanners "Schwarz-Rot-Gold", einem republikanischen Schutzbund.

2. Verhaftung - Inhaftierung im KZ Dachau

Da seine Zeitung an Umfang zunahm und sie sich weiterhin gegen den Nationalsozialismus aussprach, wurde er am 10.März 1933 wieder inhaftiert, kam in verschiedene Gestapo-Gefängnisse und schließlich ins KZ Dachau, wo er bis 1934 festgehalten wurde. Dort wurde er "zu allen erniedrigenden Arbeiten herangezogen und wiederholt verprügelt. Wegen eines Artikels [...] gegen den damaligen Stabschef der SA Röhm [...] hätte ich im Konzentrationslager Dachau beinahe das Leben verloren."

Nach seiner Entlassung verlor er alle seine Ehrenämter und wurde aus der Berufsorganisation der Journalisten und Verleger ausgeschlossen. Seine Zeitungen wurden vom NS-Gauverlag übernommen und er selbst stand noch längere Zeit unter Polizeiaufsicht.

 


3. Verhaftung - Inhaftierung im KZ Flossenbürg

1944 wurde er nach dem Hitler-Attentat wieder verhaftet, kam erst ins Gestapo-Gefängnis nach Regensburg und anschließend ins KZ Flossenbürg, das den Beinamen "Vernichtungslager" trug.


"Ich möchte, daß man weiß, daß es keine namenlosen Helden gegeben hat, daß es Menschen waren, die ihren Namen, ihr Gesicht, ihre Sehnsucht und ihre Hoffnungen hatten, und daß deshalb der Schmerz auch des Letzten unter ihnen nicht kleiner war als der Schmerz des Ersten, dessen Name erhalten bleibt."
(Julius Fucik, geb. 1903, von den Nazis hingerichtet 1943)


Trotzdem gab er nicht auf und hatte nach seiner Zeit in Flossenbürg regelmäßige Treffen mit Gegnern der NS-Diktatur. Mit diesen organisierte er die Abhörung der Auslandssender und sprach sich mit ihnen in ihrer weiteren Vorgehensweise ab.
Außerdem organisierte er eine Widerstandsgruppe, die die Sprengung der Isarbrücken verhinderte. Daraufhin musste er sich "einige Tage bei Bauern in der Umgebung versteckt halten, da SS-Truppen [...] Befehl hatten, mich festzunehmen und wahrscheinlich umzulegen."

 

Resumé

Er hatte sich stets geweigert, Mitglied der NSDAP zu werden, selbst unter Androhung erneuter Inhaftierungen.
Nach der Befreiung durch die Alliierten wurde ihm das Amt des Landrates von Landau übertragen, welches er 5 Jahre innehatte. Anschließend wurde er zum Vizepräsidenten des Bayrischen Landtages gewählt.
Bei seinem Tod im Oktober 1974
hinterließ Konrad Kübler Frau und fünf Kinder.




Textquellen: Personaldaten, Archiv Landratsamt Landau
Bildquellen: Photo Konrad Kübler: Archiv Landratsamt Landau
Zeichnung KZ: http://www.flossenbuerg.de/infozentrum/index.html
Zitat J.Fucik: www.infospace.de/gedenkstaette/german/frame/geschichte.htm