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Die Pulver- und Munitionsfabrik
und das politische Klima in Dachau
1915 fand im kleinen
Markt Dachau (5154 Einwohner) eine einschneidende Veränderung statt:
die bayerische Regierung errichtete die königliche Pulver- und Munitionsfabrik
(PMF) mit ca. 8000 Arbeitern auf einem 2 qkm großem Gelände, wenige
Kilometer von Dachau entfernt. Nach Kriegsende musste die Produktion
aufgegeben werden, da der Versailler Vertrag diese verbot. Die Arbeiter
wurden damit auf einem Schlag arbeitslos. Viele von Ihnen zogen
weg, doch ca. 2000 blieben und fanden keine neue dauerhafte Beschäftigung,
so dass sie für Dachau eine ständige soziale Belastung darstellten.
Diese Belastung war sogar so groß, dass Dachau 1927 die höchste
Arbeitslosenquote in ganz Deutschland erreichte.
Der hohe Anteil der
Arbeiter an der Dachauer Bevölkerung machte sich auch bei den Wahlen
vor der "Machtergreifung" Hitlers bemerkbar: die SPD war
neben der BVP die stärkste Partei und die KPD war ebenfalls überdurchschnittlich
stark. Die NSDAP jedoch erhielt in Dachau nur ganz wenige Stimmen.
Die Entscheidung seitens
der NSDAP
Als
die Nationalsozialisten im Winter / Frühjahr 1933 die Macht übernahmen,
ergab sich für sie bald ein Problem: die regulären Gefängnisse konnten
nicht all die gerade verhaftetetn politischen Gefangenen aufnehmen.
In Bayern glaubte der komissarische Innenminister Bayerns,
Adolf Wagner am 13.März 1933 die Lösung für dieses Problem gefunden
zu haben: er schlug dem bayerischen Justizminister Frank vor, die
Gefangenen in "irgendein leer stehendes Gemäuer" einzusperren
und dies dann Konzentrationslager zu nennen. Er dachte dabei schon
an das Gelände der Pulver- und Munitionsfabrik in Dachau, denn noch
am selben Tag, den 13.März, machte sich eine Kommission, die Wagner
unterstellt war, auf den Weg, um den Dachauer Standort zu inspizieren.
Diese Kommission entschied sich dann für den Standort Dachau und
begann noch in der Nacht vom 13.März mit den Reparaturarbeiten.
Das Konzentrationslager wurde dann am 22. März 1933 eröffnet. Neben
Wagner war noch Heinrich Himmler, der Chef der SS, an dieser Entscheidung
beteiligt. Das Gelände der PMF bot für ein künftiges Konzentrationslager
beste Voraussetzungen: es verfügte noch über intakte Gebäude, hatte
einen eigenen Straßen- und Eisenbahnanschluss, verfügte zudem über
einen Wasser- und Stromanschluss. Wichtig war auch die Tatsache,
dass das Gelände mit einer hohen Mauer und Stacheldraht umgeben
war, so dass es gut von der Öffentlichkeit abgeschottet war. "Außer
der stillgelegten Fabrik, deren Tore für die Schutzhäftlinge nur
geöffnet zu werden brauchten, gab es jedoch nichts, was die Nationalsozialisten
hätte ermuntern können, ihr Konzentrationslager in der Nähe von
Dachau zu errichten." (Richardi: Schule der Gewalt, Seite 43)
Im Gegenteil, Dachau war politisch für die Nazis äußerst unattraktiv,
denn die Gegner der NSDAP, also BVP, SPD und KPD waren hier
sehr stark. Dass die Nazis das "rot-schwarze Dachau" eher
fürchteten, sieht man daran, dass sie die kämpferische Dachauer
KPD erst in einer ungewöhnlich umfangreich angelegten Verhaftungsaktion
ausschalten mussten, bevor das Konzentrationslager eröffnet werden
konnte.Zu beachten ist, dass die spätere Entwicklung Dachaus hin
zu einem Modell-KZ eines reichsweiten KZ-Systems, zu einer "Schule
der Gewalt" (so der Titel eines Buches von Hans-Günter Richardi
über die Anfangsmonate des KZ´s Dachau) sich erst später auf Grund
des Aufstiegs Himmlers und des Lagerkommandanten Eicke ergab.
Die Beteiligung des
Marktes Dachau an der Standortentscheidung
Die Beteiligung der Dachauer
Behörden und der der Öffentlichkeit erst sehr spät bekannt und sie
wurde ohne Rücksicht auf die Dachauer Bürger und Behörden gefällt.
Eine Ausnahme vom mangelnden Einfluss der Dachauer Behörden
auf den Entschluss der NSDAP war jedoch das Bezirksamt (vergleichbar
mit dem heutigen Landratsamt), das in einem Brief an die oberbayerische
Regierung Ende Januar 1933 ausdrücklich um die Ansiedlung eines
Arbeitsdienstpflichtlagers in Dachau bat. Dieser Brief gelang auch
an Adolf Wagner und war vielleicht mit ein Anstoss für ihn, das
Konzentrationslager in Dachau zu errichten.
Die Behörden und
die Bürger in Dachau trugen später den Beschluss der NSDAP mit, lehnten sich zumindest nicht gegen sie auf. Der Grund warum viele
Dachauer Bürger das Konzentrationslager akzeptierten, war, dass
sie in ihm vor allem eine wirtschaftliche Chance sahen. Sie hofften
auf Aufträge vom Lager, welche schließlich die Bekämpfung der jahrelangen
Arbeitlosigkeit erleichtern würden. Diese Hoffnungen wurden langfristig
aber enttäuscht.
Wie dankbar jedoch
die Dachauer für das Konzentrationslager am Anfang waren, zeigt die
Tatsache, dass Dachau als eines der allerersten Orte in Deutschland
Hitler die Ehrenbürgerwürde verlieh. Dass keine Gegenstimmen
zum Lager zu hören waren, lag auch daran, dass viele Dachauer durch
den Machtkampf mit der NSDAP um das Rathaus abgelenkt waren und
viele Nicht-Nazi-Politiker bereits verhaftet worden waren.
Man muss aber hinzufügen, dass
die spätere Entwicklung des Konzentrationslagers hin zu einer
"Schule der Gewalt" von niemandem, auch nicht von den
Dachauer Bürgern, vorauszusehen war.
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