Zehn Jahre nach der Befreiung des KZ Dachau kehrt Nico Rost 1955 erstmals in die Stadt Dachau und das Konzentrationslager zurück. Über seine Erlebnisse dort, die für ihn mehr als erschreckend waren, schreibt er 1956 das Buch "Ich war wieder in Dachau", um seine Erlebnisse zu verarbeiten und die europäische Bevölkerung auf die Misstände in Deutschland hinzuweisen.
Er beschreibt zunächst einmal seine Eindrücke in der Stadt selbst und von ihren Bewohnern. Die prägendste Begegnung war für Nico Rost die mit einem Wachtmeister in der Altstadt. Auf die Frage, wo man hier im Ort ein Buch über das KZ finden könnte, antwortete dieser, so etwas gäbe es hier nicht; vielleicht im Ausland. Und außerdem sei da sicher viel übertrieben worden.
Über diese Begegnung schreibt Rost in seinem Buch:" 'Im Ausland', sagte der guterzogene Wachtmeister, und nicht: 'Von Juden und Kommunisten herausgegeben', wie er wahrscheinlich vor zwölf Jahren gesagt hätte." Nico Rost war sichtlich bestürzt über die Lage in Deutschland.
Nach dem Besuch der Stadt Dachau geht er hinaus ins ehemalige Lager. Er erwartet sich "eine Weihestätte, eine Stätte pietätvoller Erinnerung". Was er allerdings vorfindet, schockiert ihn zutiefst. Ausführlich beschreibt er in seinem Buch dann die Situation in der "Wohnsiedlung Ost", wie von Dachauern das zum Flüchtlingslager umfunktionierte ehemalige KZ genannt wird.
Besonders tief verletzt fühlt er sich durch ein Schild mit der Aufschrift "Lebe besser- spare durch Ritter-3% Rabatt" an der Wand von Block 5, einer Revierbaracke, wo früher medizinische Versuche durchgeführt wurden und viele Häftlinge grausam gestorben sind. Entsetzt schreibt er darüber, "das ist der Block gewesen, in dem damals nicht besser gelebt, aber schlechter und grausamer gestorben wurde als irgendwo sonst auf der Welt."
Nach diesen prägenden Erlebnissen, setzt sich Nico Rost mit unaufhörlichem Engagement
für die Erhaltung der Konzentrationslager als Gedenkstätten ein. Als Abschluss seines Buches wählt er daher auch:"
Die internationalen Widerstandskämpfer fordern darum - und sie werden nicht aufhören, dies zu fordern, bis sie ihr Ziel erreicht haben -, dass jede weitere Beseitigung und Veränderung der Gedenkstätten im früheren KZ Dachau sofort eingestellt, dass jeder weiteren Vernichtung und Entweihung sofort Einhalt geboten wird."
Nico Rost reist in den frühen sechziger Jahren nicht nur aus diesem Grund nach Deutschland, sondern auch um in Vorträgen an Akademien und Hochschulen das Vermächtnis des Widerstandes gegen Hitler an seine Zuhörer weiterzugeben und um das Gedenken an die Toten wachzuhalten. Auch als 1965 sein größtes Ziel, die Errichtung der KZ Gedenkstätte Dachau, Wirklichkeit wird, hört Nico Rost nicht auf, gegen das Vergessen und Verdrängen der Vergangenheit anzukämpfen.