 |
Thomas Wimmer
|
|
1887 - 1964
|
|
|
"Rama
dama"
Oberbürgermeister
Thomas Wimmer bei den
Schutträumaktionen 1949
|
Der "Wimmer Dammerl", wie ihn die Münchner Bevölkerung
nannte, gehörte seit 1909 der SPD an (Stadtrat von 1924 - 1933) und war
trotz leidvoller Erfahrungen während der NS-Zeit sofort wieder bereit
sich am politischen Wiederaufbau nach 1945 zu beteiligen.
Karl Scharnagel, sein Vorgänger im Amt des Bürgermeisters und
politischer Gegner, ernannte ihn am 16.08.1945 zum dritten
Bürgermeister von München, da er als "als ebenso umsichtiger wie
praktisch erfahrener Mitarbeiter, der sich besonders durch eine klare,
nüchterne Beurteilung der gegebenen Tatsachen auszeichnete, die ideale
Ergänzung war."
Vor 1933
Thomas Wimmer, geboren 1887 in Siglfing
bei Erding, stammte aus kleinbürgerlichen, ärmlichen Verhältnissen.
Nach Beendigung seiner Schulzeit begann er eine Schreinerlehre, da der
Vater die finanziellen Mittel für eine Holzbildhauerlehre nicht
aufbringen konnte. 1903 zog er nach München und arbeitete dort bis zum
Ausbruch des Ersten Weltkrieges in einer Kunstschreinerei.
Bereits 1911 trat Wimmer in die SPD ein
und nahm an den Fortbildungskursen des Arbeiterbildungsvereins
"Vorwärts " teil. 1907 war er bereits in den Deutschen
Holzarbeiter-Verband eingetreten, für den er 1912 zum
Bezirksdelegierten gewählt wurde.
Nach 1918 ist Wimmer in der
Räterepublik tätig, wobei von ihm jedoch Räte "als Instrumente
schrittweiser Veränderungen angesehen werden".
Nach dem Scheitern der bayerischen Räterepublik und einer beruflichen
Veränderung wird Thomas Wimmer zum ersten Vorsitzenden des
Sozialdemokratischen Vereins in München gewählt worden, wobei die
Münchner SPD bis 1933 in der Opposition war.
"Wenn sich die Sozialdemokratische Partei dem bayerischen
Ordnungsblock gegenüber bisher passiv verhalten hat, so darf das nicht
als Schwäche gedeutet werden. Sollten die Herrschaften in ihrem
verbrecherischen Treiben weiterfahren, so werden die Sozialdemokraten
geeint wie beim Kapp-Putsch Schritte unternehmen."
Bereits 1919 war Wimmer für die Wahl
zum Stadtrat aufgestellt worden, konnte diese Tätigkeit jedoch erst
nach den nächsten Wahlen am 1.11.1924 aufnehmen. Während seiner
politischen Tätigkeiten (Gründung der Münchner Reichsbanner-Gruppe)
vernachlässigte Wimmer jedoch seine gewerkschaftlichen Verpflichtungen
beim DHV und beim Gewerkschaftsverein ADGB nicht.
Eigenschaften wie Pflichtbewusstsein und Verantwortung kennzeichneten
ihn wie auch die Liebe zum Detail, die ihn oft als kleinlich erscheinen
ließen, aber in Wirklichkeit seinen Hang zur sozialen Gerechtigkeit
unterstreichen sollten.
Die Spannungen zwischen SPD und BVP vermehrten sich, wobei die beiden
politischen Gegner Wimmer und Scharnagl 1929 einen äußerst harten
Kommunalwahlkampf führten, bei dem die SPD zwar wieder die stärkste
Fraktion im Stadtrat wurde, jedoch eine Wiederwahl von Scharnagl nicht
verhindert werden konnte.
NS-Zeit und KZ-Haft
Am 10.03.1933 kam Thomas Wimmer in
Schutzhaft, zunächst nach Stadelheim, dann nach Landsberg am Lech, so
dass er an den Stadtratssitzungen der SPD nach der Machtübernahme durch
die Nationalsozialisten bis auf die letzte Sitzung der Partei am
02.05.1933 nicht teilgenommen hat.
Thomas Wimmer wurde als Beamter entlassen, arbeitete zunächst in einer
Baufirma bis 1938, dann nach längerer Arbeitslosigkeit ab 1941 als
Schreiner.
An der illegalen Parteiarbeit der SPD beteiligte er sich nicht. Ob
familiäre Sorgen, die Angst vor einer erneuten Verhaftung oder die
Resignation bezüglich der aussichtslosen politischen Lage
ausschlaggebend waren, ist nicht eindeutig zu entscheiden. Er besuchte
die klassischen Treffpunkte der SPD und diskutierte über die allgemeine
Lage, beschäftigte sich aber vor allem mit finanzpolitischen Fragen.
Nach dem Attentat vom 20. Juli 1944 wurde Thomas Wimmer erneut verhaftet
und kam für sechs Wochen ins Konzentrationslager Dachau. Dort traf er
Karl Scharnagl, seinen ehemaligen politischen Gegner.
Einig waren sich die beiden Politiker in folgendem Punkt: "Wenn sie
jemals wieder politische Verantwortung übernehmen wollten, würde der
demokratische Konsens über allen weltanschaulichen Gegensätzen stehen.
Die Dummheiten, die vor 1933 gemacht worden sind, dürfen nicht mehr
wiederholt werden."
Nach 1945
Die amerikanische Militärregierung
bestimmte Karl Scharnagl am 04.05.1945 zum Oberbürgermeister von
München. Er forderte sofort Thomas Wimmer zum " Mithelfen "
auf und ernannte ihn im August 1945 zum dritten Bürgermeister.
Wimmer erklärte dazu: "Ich persönlich war mir von Anfang an, als
ich dieses Amt übernahm, klar darüber, daß Zeiten kommen werden, wo
wir unter den äußersten Anstrengungen vielleicht noch in der Lage sein
werden, die eine oder andere Schwierigkeit zu überbrücken, daß es
aber unmöglich sein würde, sie in absehbarer Zeit zu beseitigen."
Thomas Wimmer engagierte sich mit tatkräftigem Einsatz für den
Wiederaufbau der Stadt und übernahm sofort wieder politische
Verantwortung.

Oberbürgermeiter Thomas Wimmer als
tatkräftiger Helfer
beim großen "Rama Dama" auf dem Marienplatz am 29.Oktober
1949
· Dezember 1945 2.
Oberbürgermeister, Mitglied der Verfassungsgebenden Landesversammlung
und Mitglied des Bayerischen Landtags 1946 - 1950 für die SPD
· 01.07.1948 Wahl zum 1. Oberbürgermeister,
Wiederwahl 1952/ 1956
Rücktritt 1960 im Alter von 73 Jahren, Verleihung des Ehrentitels
"Altoberbürgermeister"
Wenngleich seine Wahl 1948 nicht unangefochten
blieb, gelang es Wimmer durch überzeugendes Engagement, seine
Hilfsbereitschaft und seine Bescheidenheit die Münchner Bürger zu
überzeugen, so dass seine Popularität stetig zunahm. Auch wenn sich
gegen Ende seiner politischen Tätigkeit Konflikte mit dem Stadtrat und
einer immer selbstständiger werdenden Verwaltung ergaben, steht
unbestritten fest, dass Thomas Wimmer all seine Kraft in den
Wiederaufbau Münchens gesetzt hat und "für seine Überzeugungen
und demokratische Gesinnung jederzeit mit ganzer Kraft einstand."
Er verstarb am 18.01.1964 in München.
|