Deutschlehrerin Cornelia Schader: "Man arbeitet, man bibbert und freut sich gemeinsam"

Heiter-ironisch und bitter ernst

Die Theatergruppe des Josef-Effner-Gymnasiums inszeniert ihr selbstverfasstes Stück über die Schule

Dachau Sollte mit Frau Blümchen die Sekretärin des Josef-Effner-Gymnasiums (JEG) in Dachau gemeint sein, dann können wir bestätigen, dass Inge Blümel jeden Anruf der Journalisten freundlich beantwortet. Stress merkt man ihr nicht an. Frau Blümchen lächelt im Theaterstück "School"s out" sogar noch, als ihr Chef Dr. Becher seine neueste Leidenschaft gesteht und stolz präsentiert: die allumfassende Kontrolle von Lehrern und Schülern im Unterricht, Klassenzimmer, auf dem Pausenhof oder in der Aula per Videoüberwachung.

Eines wird auf der ersten Probe am Montagnachmittag im Ludwig-Thoma-Haus schon klar: Zufällige Übereinstimmungen mit lebenden Personen sind beabsichtigt. Es ist anzunehmen, dass sich manche Lehrerin und mancher Lehrer wiedererkennen wird.

Die Theatergruppe des Josef-Effner-Gymnasiums hat eine Revue über das Schulleben verfasst, in der Mädchen vor dem Spiegel in der Toilette sich ihre Geheimnisse erzählen, über Lehrer lästern oder Gespräche belauschen. Aber diese heiter-ironischen Szenen prägen nicht das gesamte Stück. Es dreht sich auch um ernste Themen: beispielsweise um Mobbing.

Dann zielen die Texte direkt auf die Schüler und münden in dem Aufruf, pathetisch vorgetragen: "Mobbing kann auch dich treffen." Nachdenklich wird es am Schluss, wenn die jungen Leute über ihre Zukunft und den Notendruck reflektieren, bevor Alice Coopers Rockklassiker "School"s out" erklingt.

Deutschlehrerin Cornelia Schader leitet die 14-köpfige Theatergruppe des JEG; dazu kommen noch zehn Techniker. Kurz vor den Aufführungen fühlt sich Cornelia Schader wie so manch anderer Lehrer, der sich über den Unterricht hinaus an seiner Schule engagiert: "Warum mache ich das?" Aber nach der Premiere ist dann halt doch wieder vor der Premiere, und auf diese Weise sind bei ihr neun Jahren kontinuierliche Theaterarbeit zusammengekommen. Neun Jahre, in denen Cornelia Schader Kinder und Jugendliche unabhängig vom Unterricht erlebt. "Man bekommt eine ganz andere Verbindung", sagt sie. "Man arbeitet, man bibbert und freut sich gemeinsam. Da ist eine gemeinsame Chemie da." Und die ist nötig, um sich an eine Schul-Revue mit selbst geschriebenen Texten und eigenen Choreographien zu wagen.

In sechs Szenen, die der gleichen Zahl an Unterrichtseinheiten entspricht, spielen und reflektieren 13 Schauspielerinnen und ein Schauspieler Aspekte des Schullebens. Bis jede Geste sitzt, jeder Tanzschritt passt, bis die Sätze nicht in die Bühne hinein, sondern zum Publikum hinaus gesprochen werden, bis die Lautstärke geregelt ist und die Bühne für jede Szene ausgeleuchtet, vergehen Stunde um Stunde. Seit Oktober hat die Theatergruppe Texte geschrieben, Musik ausgewählt, sich Choreographien ausgedacht und die einzelnen Szenen geübt.

Und dann kommt es zum kleinen Schock beim ersten Bühnentest im Ludwig-Thoma-Haus, weil die Szenen überhaupt nicht passen, die Tanzschritte eher gehemmt wirken, und die Schüler viel zu leise sprechen. Schließlich ist Pause. Die Theatergruppe versammelt sich um Cornelia Schader, sie besprechen die einzelnen Passagen. Erleichtert sagt Schader: "Die zweite Hälfte ist viel besser gelaufen." Die Generalprobe auch. Die Premiere war gestern zu Redaktionsschluss noch nicht zu Ende. Die Mitglieder der JEG-Theatergruppe sind: Tabea Dobler, Annemarie Eckhardt, Anja Faber, Mona Fischer, Ariella Kemna, Judith Kleinsorge, Lena Plösch, Rudi Siegl, Magdalena Staudt, Sarah Thonig, Laura Urban, Martha Urban, Johanna Widmann und Charlotta Ziegltrum. WOLFGANG EITLER

 

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