Andächtiges Staunen
Abend mit den JEG-Leistungskursen Musik und Kunst

Dachau Die Schüler erzeugen, was Lehrern selten gelingt: Stille. Kein Ton ist zu hören von den 300 Besuchern in der Eingangshalle des Josef-Effner-Gymnasiums (JEG) Dachau. Erst als das Klarinetten- und Querflötenstück "Trois Mouvements" endet, erklingt auch mal ein Räuspern, ein Hüsteln. Das Publikum ist beeindruckt vom Spiel des Leistungskurses Musik der Jahrgangsstufe 12, der am Montag sein erstes Konzert gegeben hat.

Das ist aber nicht alles. Es gelingt an diesem Abend Bildende Kunst mit Musik zu verknüpfen, denn der Leistungskurs Kunsterziehung stellt in einem Teil des Eingangsbereichs seine Arbeiten aus. Beide Leistungskurse haben ähnliche Ansätze gewählt. Ältere Meister und zeitgemäße Werke stehen im Mittelpunkt, und die Schüler interpretieren sie klassisch oder modern.

Der Kunst-Leistungskurs hat sich den Expressionismus vorgenommen; auch den literarischen. Georg Heyms beklemmendes Gedicht "Das Fieberspital", das sich schon in seinen sprachlichen Mitteln das Motiv Farbe zu eigen macht. Es auf Leinwand zu bannen, wie im JEG zu sehen ist, drängt sich regelrecht auf.

Die Schüler zeigen in ihren Arbeiten stets ein Thema aus vielfältigen Blickwinkeln. Von Caspar David Friedrichs "Mönch am Meer" hängen an einer Säule fast zwei Dutzend Interpretationen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Vom Liebespaar vor romantischer Strandkulisse, über einen blutroten Himmel bis zu einem Sensenmann, der dem Betrachter ein "Andechs"-Schild entgegenhält. Eine augenzwinkernde Auseinandersetzung mit einem Werk, das schon beim zeitgenössischen Publikum zwiespältige Reaktionen hervorgerufen hat.

Der Musikleistungskurs unter Leitung von Markus Kindermann hat schon im Vorfeld ein Programm versprochen, das für Jung und Alt etwas bietet. Und sowohl Eltern, Schüler, als auch Lehrer kommen auf ihre Kosten. "Flaws & all" der R&B- und Soulsängerin Beyoncé haben sich die Schüler ebenso angenommen wie "Can"t help falling in love" der Rock "n" Roll Legende Elvis Presley.

Klassiker des 18. Jahrhunderts sind mit Georg Friedrich Händels "Feuerwehrmusik" oder Johann Sebastian Bachs "Sonate in g-Moll" dabei. Dass sich absolute Stille blitzartig in einen Begeisterungssturm verwandeln lässt, zeigen Virgil Mischok und am Klavier Jan Hoffmann. Mischok singt die Heine-Ballade "Die beiden Grenadiere", die Robert Schumann vertonte. Die beiden Schüler überzeugen mit der fast 200 Jahre alten Romanze das gesamte Publikum.

Das gilt auch für ein ganz anderes Stück. Zwar ist es nicht wie ursprünglich geplant gelungen, dass der gesamte Kurs den Instrumentaltitel "Gasthaus zum lachenden Stalin" von Jan Delay einstudiert. Doch Zwischenapplaus gibt es trotzdem für lässige Funkklänge und Saxophon-, Trompeten und Klarinettensoli.

Die 21 Schüler des Musikleistungskurses schlagen in ihrem Konzert einen Bogen vom 17. Jahrhundert zu den Chartstürmern unserer Zeit. Zum Finale erklingt Johann Hermann Scheins "Die Nacht ist kommen" - in einer früheren Fassung der Böhmischen Brüder hatte das Abendlied bereits Eingang in die sakrale Musik gefunden. Dass dieses Stück das Konzert beschließt, unterstreicht die andächtige Atmosphäre, die der Leistungskurs insgesamt geschaffen hat. VANESSA LÜNENSCHLOSS

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