Josef-Effner-Gymnasium

Nicht nur Humorist
JEG-Lehrer Karl Kühbandner über Kurt Tucholsky

Dachau - Im Rahmen der wissenschaftlichen Vortragsreihe am Josef-Effner-Gymnasium (JEG) gibt es heute einen Tucholsky-Abend. Karl Kühbandner inszeniert seinen Vortrag als musikalische Lesung.

SZ: Wie läuft denn die Veranstaltung heute Abend genau ab?
Kühbandner: Der Abend weicht vom Konzept der wissenschaftlichen Vortragsreihe ein wenig ab. Im Mittelpunkt stehen die Texte Tucholskys. Sie werden entweder von mir gelesen oder in Vertonungen von Hanns Eisler, Friedrich Hollaender und anderen von der Sängerin Christa Maria Jürgensonn vorgetragen. Begleitet wird sie dabei von Marvin Balzer am Klavier und Emanuel Neumayer am Bass. Dazwischen spielt das Salonorchester von Herrn Blume Musik aus Tucholskys Zeit. Ich werde das Ganze moderieren und ein paar Informationen zur Biografie Tucholskys einflechten, aber einen philologischen Vortrag wird es nicht geben.
SZ: Sind an der Ausrichtung des Tucholsky-Abends auch Schüler beteiligt?
Kühbandner: Eigentlich ist nur der Klavierbegleiter von Christa Maria Jürgensonn noch Schüler, der Bassist Emanuel Neumayer hat letztes Jahr Abi gemacht. Herrn Blumes Salonorchester besteht aus ehemaligen Schüler, die auf Projektbasis wieder mit dem JEG zusammenarbeiten.
SZ: Was reizt Sie besonders an Tucholsky?
Kühbandner: Tucholsky gilt immer als der große Pazifist der Zwischenkriegszeit und als Humorist. Auf der anderen Seite war dieser abgeklärte Zeitkritiker jedoch auch ein gespaltener, ein leidender Mensch. Im schwedischen Exil hat er schließlich Selbstmord begangen. Tucholsky war ein Heimatloser, nicht nur im geografischen Sinne. Auch politisch: Nach Auflösung der USPD 1922 hat er sich nie wieder einer politischen Vereinigung angeschlossen. Tucholskys persönliche Beziehungen wollten auch einfach nicht halten, er läuft immer weg, wenn es ihm zu eng wird. Diese Ruhelosigkeit ist in manchen seiner Texte präsent. Im politischen Sinne ist vieles, was er zwischen den Weltkriegen schrieb, außerordentlich prophetisch, gerade auch in Bezug auf die aktuelle Wirtschaftskrise.
SZ: Haben Sie sich schon einmal mit einem ähnlichen Thema an der wissenschaftlichen Vortragsreihe beteiligt?
Kühbandner: Vor Jahren habe ich einen Vortrag zum Thema Sozialutopien gehalten. Bei Tucholsky wird es nun sicher kein wissenschaftlicher Vortrag werden. Ich finde es viel wichtiger, dass man Texte auch einfach mal hört und so einen Zugang zu ihnen findet.
SZ: Wie wird für solche Veranstaltungen geworben? Oder sind die JEG-Schüler da automatisch begeistert dabei?
Kühbandner: Das ist ganz unterschiedlich. Auf jeden Fall gibt es Plakate in der ganzen Schule, und die Beteiligten machen Werbung. Beim Tucholsky-Abend spielen wir ja nicht unbedingt die Musik junger Leute, aber ich gehe davon aus, dass die Musiker auch jüngeres Publikum mitbringen.
SZ: Sie gehen ja nun bald in Rente. Werden sie sich trotzdem weiterhin an Veranstaltungen am JEG zu beteiligen?
Kühbandner: Beteiligen werde ich mich da wohl eher passiv, im Publikum. Das Aktive überlasse ich dann lieber den aktuellen Schülern und Lehrern.
SZ: Gibt es schon andere Pläne für die Rente?
Kühbandner: Ich singe ja seit langen Jahren in verschiedenen Chören. Das will ich auf jeden Fall weitermachen. Den Rest lasse ich einfach mal auf mich zukommen.

Interview: Katrin Kaiser

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