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Von Wolfgang Eitler |
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Landkreis - Die Schüler des achtjährigen Gymnasiums stören sich am Lernpensum, der hohen Zahl von 35, 36 Wochenstunden und bedauern den Verzicht auf Hobbys sowie die Mitarbeit in Vereinen. "Wir sind zu Lernmaschinen geworden", sagen sie. Gestern stellten Elternbeiräte der beiden Dachauer Gymnasien erste Zwischenergebnisse einer Schülerumfrage vor; und informierten damit über die Folgen einer um ein Jahr verkürzten Schulzeit. Dabei kommen die Lehrer wegen ihres hohen Engagements sehr gut weg. Lucie Liu, 16 Jahre alt, vom Ignaz-Taschner-Gymnasium (ITG), Korbinian Etterer (17) und Antonia Huckle (16), beide vom Josef-Effner-Gymnasium (JEG), haben in der 11. Klasse gute bis sehr gute Noten. Sie machen als erster Jahrgang das Abitur nach der 12. und nicht nach der 13. Klasse. Ihre Sorgen beschränken sich darauf, Rückschläge auszugleichen, wie sie Lucie Liu nach dem Ende der kräftezehrenden Aufführungen des ITG-Musicals "Spectaculum" zu Schuljahresbeginn notenmäßig erleiden musste: "Das Spectaculum hat viele der Teilnehmer zurückgeworfen." Ansonsten will Antonia Huckle wieder auf eine 1,7 kommen und Korbinian Etterer hat sich entschlossen, auf die eine oder andere gute Note zu verzichten. Dafür will er dem Eishockey treu bleiben und freut sich über den eben erst erworbenen Fischereischein. Allerdings gab er das Trompetenspiel in der Dachauer Stadtkapelle auf: "Das war nicht mehr zu schaffen." Solche Einbußen sind für Renate Schmoll, Vorsitzende des Elternbeirats am JEG, und Jutta Neupert, Elternbeirätin am ITG, die bedrückendsten Erfahrungen mit dem achtjährigen Gymnasium. Es wurde in Bayern vor sieben Jahren unter dem damaligen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber (CSU) ohne Probephase durchgesetzt, um mit Baden-Württembergs "Turbo-Gymnasium" gleichziehen zu können. Die Umfrageergebnis am Dachauer JEG dürfen als repräsentativ gelten, denn 71,8 Prozent aller 130 Elftklässler am achtjährigen Gymnasium haben den Fragebogen der Landeselternvereinigung ausgefüllt. Dieser Erfolg freut Renate Schmoll besonders, weil das Kultusministerium Schulleitungen und Personal untersagt hat, sich an dieser bayernweiten Umfrage in irgendwelcher Form zu beteiligen. Den Rücklauf am Taschner-Gymnasium aus der elften Jahrgangsstufe empfindet Jutta Neupert im Vergleich dazu mit 16 von 74 Gymnasiasten als enttäuschend. Der Elternbeirat am Gymnasium in Markt Indersdorf hat erst am Freitag die letzten Fragebögen zurückbekommen. Dort beteiligten sich 27 von 103 Elftklässlern. Roswitha Becker führt diese Quote auf die Blockade durch das Kultusministerium zurück. Die Gymnasien müssen am 15. März ihre Ergebnisse der Landeselternvereinigung mitteilen. Die Umfrage umfasst alle Jahrgangsstufen. Als besonders aufschlussreich gelten die Antworten der elften Klassen. Deren Schüler waren die ersten im G 8. Sie wurden von der Reform überrascht. Antonia Huckle und Lucie Liu hatten an ihren Schulen dafür geworben, dass sich möglichst viele Gymnasiasten an den Demonstrationen vor einigen Wochen in München gegen diese Schulreform beteiligen. "Aber wenige wollten noch mitmachen", sagt Antonia. "Viele resignieren und möchten nur noch das Abitur schaffen." Korbinian erzählt von Mitschülern, "die an der Grenze ihrer Kapazität angelangt sind". Am Effner-Gymnasium haben 67 Prozent der Befragten angegeben, keine Zeit mehr für Freunde und Hobbys zu haben. 29,7 Prozent brauchen regelmäßig Nachhilfeunterricht. 42,6 Prozent fühlen sich ständig gestresst. Die Teilnahme an den Wahlfächern nimmt ab. "Alles läuft unter Druck", sagt Antonia. Seien es die Seminare, in denen man lernen soll, wissenschaftlich zu arbeiten, seien es die externen Projekte (sie beteiligt sich an einem Englischführer für München) oder das so genannte Selbsterkundungsheft, in dem die Schüler sich über ihren künftigen Beruf Gedanken machen. Und der seit Jahren stattfindende Austausch mit amerikanischen Schülern wäre beinahe mit wesentlichen Prüfungen im Juni und Juli kollidiert. Deshalb sagt Antonia: "Das achtjährige Gymnasium macht uns zu Lernmaschinen." Sie demonstrierte in München, "weil dafür jemand die Verantwortung übernehmen muss". Die Lehrer sind es nicht. Über die Umfrage hinaus würdigen Elternbeiräte und auch Schüler am Effner-Gymnasium deren Engagement. Antonia und Korbinian: "Die behandeln uns sehr gut. Elternbeiratsvorsitzende Schmoll würdigt die "gelungene Organisation", die am Klassenverband festhält. Aber den Dauerdruck könnten die Lehrer nur mindern. "Ich habe nicht das Gefühl, dass ich mehr weiß, nur weil ich nun zehn Stunden mehr Unterricht habe als frühere Abiturienten", sagt Lucie Liu. Antonia drückt den Mangel so aus: "Wir lernen nur Häppchen für Häppchen, und das möglichst schnell." Lucie, Antonia und Korbinian fühlen sich als "Versuchskaninchen" der Staatsregierung. |