Josef-Effner-Gymnasium

Hausaufgabenhilfe und Hip-Hop
Zehn Schülerinnen des Josef-Effner-Gymnasiums gehen einmal pro Woche in die Kita Regenbogenland Dachau

"Was ist blau? Das, wo der Tee drin ist?" fragt die kleine Hayat. "Du meinst die Kanne", korrigiert Katharina Heiß. Seit September kommt die 17-Jährige mit neun Mitschülerinnen des Josef-Effner-Gymnasiums einmal pro Woche in die Kita Regenbogenland. Die Kooperation mit dem Gymnasium soll "die verschiedenen Welten zusammenführen", so das Ziel von Kita-Leiterin Iris Honikel.

Während sie genüsslich ihren Pudding löffelt, spielt Hayat mit der "großen" Katharina "Ich sehe was, das du nicht siehst". Die anderen Kinder sind mit der Brotzeit fertig, räumen auf, sausen herum. Doch Hayat ist konzentriert. Was ist gelb? Vielleicht das Auto? Oder doch der Vorhang? Dinge werden benannt, Fragen gestellt, Fehler korrigiert. Und Hayat genießt sichtlich diesen Moment der intensiven Aufmerksamkeit. Am Nebentisch sitzt Luise Middelhauve mit Kerim, Emina und Ytau. Memory spielen die vier und auch bei diesem Gedächtnisspiel wird ganz nebenbei Deutsch gelernt.

In der Kita Regenbogenland kommen viele Kinder aus Familien mit Migrationshintergrund, lernen oft erst im Kindergarten Deutsch. Im Kontakt mit den Gymnasiastinnen trainieren die Kleinen spielerisch ihre Sprachkenntnisse ohne künstliche Lernsituation. Sie profitieren von individueller Aufmerksamkeit, gezielter Förderung und persönlicher Zuwendung. Dabei ist die Kooperation von Gymnasium und Kita breit angelegt: Die Schülerinnen spielen mit den Kleinen im Kindergarten, unterstützen im Hort bei den Hausaufgaben oder tanzen mit den Kleinen Hip-Hop.

Die Jugendlichen kommen "weil der Umgang mit den Kindern einfach großen Spaß macht", sagt Katharina Heiß. "Es macht Freude zu sehen, wie sich die Kleinen entwickeln", betont Luise Middelhauve. Für die Kooperation hat sich Kita-Leiterin Iris Honikel bewusst ein Gymnasium ausgesucht, um den Kleinen "Brücken zu bauen, Perspektiven zu geben". Denn in vielen ihrer Familien ist der Besuch einer weiterführenden Schule keine naheliegende Option. Durch die Kooperation sollen die Kinder sich anfreunden mit Jugendlichen, die demnächst Abitur machen. Sie vielleicht zu ihrem Vorbild machen und beschließen: "Das kann ich auch schaffen." Mit dieser Idee "habe ich beim Josef-Effner-Gymnasium offene Türen eingerannt", freut sich Honikel. Unklar ist derzeit aber die Zukunft des Projekts. Denn ob sich auch in der Oberstufe des achtjährigen Gymnasiums weiter Schüler finden werden, "die sich in dem Maß sozial engagieren, ist fraglich", erklärt JEG-Kollegstufenbetreuer Hans Glas. "Ich bin skeptisch". pes

ZURÜCK