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"Engagement für die Gemeinschaft braucht mehr Anerkennung" Die 15-jährige Sonja Kürzinger über ihre Arbeit in der Schülermitverwaltung und als Schülersprecherin am Josef-Effner-Gymnasium |
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Über die Bedeutung von sozialen Werten in unserer vom Leistungsgedanken geprägten Gesellschaft diskutieren am kommenden Dienstag beim SZ-Forum Experten. Wie Schüler ihren Schulalltag im Widerstreit von Notendruck und sozialem Miteinander erleben, darüber sprach die Dachauer SZ mit Sonja Kürzinger. Die 15-Jährige engagiert sich in der Schülermitverantwortung und ist Schülersprecherin am Dachauer Josef-Effner-Gymnasium, wo sie jetzt die neunte Klasse besucht. SZ: Wie empfindest Du das Klima in Deiner Klasse. Seid ihr mehr Einzelkämpfer oder soziale Gemeinschaft? Kürzinger: Natürlich gibt es noch ein soziales Miteinander, allerdings nicht in allen Klassen in gleichem Maß. Trotzdem ist das Thema Leistung immer präsent. Die Frage, ob es eine Note gibt, ob eine Arbeit, ein Projekt bewertet wird, steht im Vordergrund. Und der Druck, der von außen auf die Schüler einwirkt, wird immer mehr. SZ: Wie wirkt sich der Druck konkret aus? Kürzinger: Unfair geht es nicht zu. Dass Schüler sich Vorteile auf Kosten anderer verschaffen, habe ich noch nicht erlebt. In einzelnen Klassen könnte es solche Fälle geben. Doch grundsätzlich steht Hilfsbereitschaft noch an erster Stelle. Aber uns fehlt durch den Lerndruck Zeit und Kraft, Gemeinschaft aktiv zu gestalten. SZ: Wer macht Euch diesen Druck?Kürzinger: Lehrer, die Schule insgesamt, aber auch die Familie, die gesamte Gesellschaft. Du musst gut sein - das bekommt man so oft zu hören. Eine stichhaltige Begründung fehlt oft. Vermutlich steht dahinter die diffuse Sorge um unsere Zukunft. SZ: Wenn Leistung soviel zählt, wo bleibt Platz für Gemeinschaft? Kürzinger: Das soziale Miteinander, zum Beispiel in der Schülermitverantwortung, kommt an zweiter Stelle, Leistung hat stets Priorität. Wer schnell und effektiv lernt, ist dabei im Vorteil, kann sich noch engagieren. SZ: Sind Schüler, die Schulfeste organisieren, an der Bushaltestelle für Sicherheit sorgen, den Schulball veranstalten oder für die Schülerzeitung schreiben also die Dummen? Weil die anderen vielleicht bessere Noten erzielen? Kürzinger: Nein, denn die Mitarbeit macht viel Spaß. Und wer mitarbeitet, profitiert enorm, lernt Dinge, die nicht im Lehrplan stehen. Soft skills, die bei Bewerbungen so wichtig sind, wie zum Beispiel Teamfähigkeit, Selbstwertgefühl, Verantwortungsbewusstsein, Konfliktfähigkeit. Die SMV ist wohl der einzige Ort an der Schule, wo man diese Fähigkeiten erwerben kann. SZ: Werden diese Aktivitäten wert geschätzt? Kürzinger: Nicht alle Eltern finden das Engagement ihrer Kinder positiv. Oft gibt es mehr Kritik als Lob. Meist gilt: Die Noten müssen stimmen. SZ: Und an der Schule? Kürzinger: Vom Elternbeirat kommt viel Anerkennung. Einige Lehrer unterstützen uns sehr, andere fühlen sich eher gestört. Die Schulleitung steht voll hinter der SMV, wir haben auch viel Freiraum. Doch wenn es wie jetzt gut läuft, wird das schnell selbstverständlich. SZ: Wie schaut die Zukunft aus? Kürzinger: 70 Prozent der SMV-Aktiven sind Kollegiaten, die 2011 Abitur machen. Für Schüler im achtjährigen Gymnasium ist die Freizeit knapp. Im nächsten Jahr müssen aber Jüngere Verantwortung übernehmen und wir werden massiv um Nachwuchs werben. SZ: Was müsste sich ändern? Kürzinger: Wichtig wäre, dass das Engagement für die Gemeinschaft mehr Ansehen bekommt. Ziel müsste sein, dass Streben nach Leistung und soziales Miteinander wieder in einem ausgeglichenen Verhältnis stehen. Interview: Petra Schafflik |