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Ehrgeiz trifft Entdeckergeist
Zwei 19-jährige Gymnasiasten aus Karlsfeld und Unterschleißheim siegen bei 'Jugend forscht'

Von Anja Bartsch

München Der Amtssitz des bayerischen Ministerpräsidenten ist normalerweise Staatsoberhäuptern vorbehalten. Am Montag aber waren auf Einladung von Horst Seehofer 23 junge Forscher im Prinz-Carl-Palais zu Gast. Das Palais war das Erstlingswerk des 21-jährigen Carl von Fischer. Es verhalf dem Jungarchitekten im Jahr 1803 zum Durchbruch - der geeignete Rahmen also, um die bayerischen Landessieger von 'Jugend forscht' auszuzeichnen.

'Haben Sie neben dem Forschen überhaupt noch Zeit für Hobbys?', fragt der Ministerpräsident die beiden 19-jährigen Abiturienten Kerstin Dörner aus Dachau und Andreas Ammer aus Unterschleißheim, als er sie für ihre gemeinsame Errungenschaft im Fach Biologie auszeichnet. Das Forschen sei eine schöne Nebenbeschäftigung, erwidert Kerstin.

Seehofer jedenfalls zeigt sich beeindruckt vom Engagement der beiden jungen Wissenschaftler: Sie haben nachgewiesen, dass das handelsübliche Medikament Umckaloabo aus antibakterieller Sicht kaum etwas nützt. Insbesondere staunt Seehofer, weil er selbst, wie er sagt, in diesem Alter gedacht habe, er lerne nicht für sich selbst, sondern nur für die Lehrer. - Gelächter im Publikum. Dieser Gedanke scheint den jungen Forschern fast abwegig zu sein.

Kerstins Einstellung zum Lernen ist schon früh eine andere gewesen: Sie siegt bereits zum dritten Mal beim Landeswettbewerb von 'Jugend forscht'. Andreas wiederum findet es schade, dass er den Wettbewerb erst so kurz vor dem Abitur entdeckt hat: 'Ich würde gerne noch einmal mitmachen, aber zwischen Abiturprüfungen und Studium bleibt nicht viel Zeit.' Kennengelernt haben sich die beiden Schüler vor fünf Jahren bei einer Juniorakademie der Fraunhofer Gesellschaft.

Auf ihr Thema für den diesjährigen Wettbewerb sind Kerstin und Andreas vor allem aus praktischen Gründen gekommen: 'Wir haben ein Thema gesucht, das sich zum Teil auch in der eigenen Küche erforschen lässt', erklärt Andreas. Und Kerstin fügt hinzu: 'Schon bei Wikipedia widersprechen sich einzelne Studien zur Frage, ob Umckaloabo wirkt oder nicht.' So haben die jungen Forscher das Modemittel mit einem selbst gekochten Wurzelsud aus der südafrikanischen Kapland-Pelargonie verglichen, der Basis für Umckaloabo, und außerdem mit der europäischen Pflanzenverwandten, dem stinkenden Storchschnabel. Kerstin übernahm bei dem Projekt den biologischen Teil der Forschung, Andreas den chemischen. Ihre Eltern unterstützen die beiden bei ihrer Pionierarbeit, wo es geht - sowohl finanziell als auch ideell.

Stolz sind die beiden Gymnasiasten schon auf ihre Leistung bei 'Jugend forscht'. Momentan liegen ihre Prioritäten jedoch woanders: Die Abiturprüfungen beginnen in wenigen Wochen. Und die sind jetzt am wichtigsten, darin sind sich beide einig. 'Für zwei Fächer habe ich bisher erst wenig gelernt', gibt Andreas zu, der sein Abitur am Carl-Orff-Gymnasium in Unterschleißheim machen wird. Kerstin bereitet sich gerade auf die Prüfungen am Josef-Effner-Gymnasium in Dachau vor. Kein Wunder, dass die 19-jährigen Abiturienten bisher wenig Zeit zum Lernen hatten. Schließlich wartet auf die zwei Nachwuchswissenschaftler noch der Bundeswettbewerb: Vom 13. bis 16. Mai kommen insgesamt 179 Landessieger aus ganz Deutschland in Essen zusammen, um ihre Projekte vorzustellen. Mit mehr als 1600 Anmeldungen steht Bayern in diesem Jahr bundesweit an der Spitze. Insgesamt zwölf Projektgruppen aus den Bereichen Naturwissenschaft, Mathematik und Technik kann das Bundesland nach Essen schicken. Und Kerstin und Andreas würden gerne noch ein bisschen weiter forschen, um sich auf den Bundeswettbewerb vorzubereiten. 'Wahrscheinlich packt mich eines Nachts der Entdeckergeist, und ich arbeite weiter am Projekt', so Kerstin. 'Forschen ist wie eine Sucht', sagt auch Andreas.

Die 19-jährige Kerstin will ihrem momentanen Forschungsgebiet auch weiter treu bleiben: Sie möchte nach dem Abitur Biologie studieren. Andreas zieht es zur Medizin, aber wenn das nicht klappt, dann wird er vielleicht Chemiker. Bei allem Ehrgeiz haben die zwei Jungforscher Wünsche wie jeder andere Abiturient: 'Nach den Prüfungen ist erst einmal Urlaub angesagt', sagt Andreas und grinst.

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