Josef-Effner-Gymnasium

Ein Käfig voller Spitzenschüler
Das Josef-Effner-Gymnasium verabschiedet im Karlsfelder Bürgerhaus die Abiturienten des G9 - 17 von ihnen haben einen Notenschnitt von 1,0 bis 1,5
Von Katharina Leistner

Dachau - Normalerweise schauen Festredner bei Abiturfeiern auch in die Zukunft. So wie Landrat Hansjörg Christmann (CSU) Anfang der Woche am Ignaz-Taschner-Gymnasium in Dachau oder am Gymnasium in Markt Indersdorf. Oder dessen Stellvertreterin Eva Rehm (CSU) auf der Abiturfeier des Josef-Effner-Gymnasiums (JEG) im Bürgerhaus Karlsfeld. Dorthin musste die Feier des JEG wegen der großen Anzahl von 166 Absolventen verlegt werden. Die Aula der Schule wäre zu klein gewesen.

Aber Anna Carina Axtner-Borsutzki und Martin Schafflik führten ihre Zuhörer zunächst weit zurück in die sechste Jahrgangsstufe, welche die heutigen Abiturienten als teils bedrückende Zäsur erlebten. Denn damals wurde ihnen mitgeteilt, dass sie sich in einem Auslaufmodell befänden, dem neunjährigen Gymnasium. Denn jetzt beginne die Zeit des achtjährigen Kompetenz-Abiturs, wie Taschner-Direktor Erwin Lenz am vergangenen Montag sarkastisch angemerkt hatte.

Anna Carina Axtner-Borsutzki und Martin Schafflik indes nutzten diese Bildungsreform zu einer scherzhaften Sottise und bedauerten die künftigen Absolventen des G8, weil sie keine Leistungskurse mehr hätten und auch keine Kollegstufenzimmer. Die Mehrheit der JEG-Abiturienten kann allerdings wegen der durchwegs guten Ergebnisse auch gelassen zurückblicken. 17 von ihnen haben einen Notenschnitt von 1,0 bis 1,5. Ein Viertel von 166 hat 1,9 und besser. Direktor Kurt Stecher wollte zwar keine Statistik veröffentlichen, aber den Festgästen war klar, dass das JEG mit diesen Ergebnissen einen Spitzenplatz unter den bayerischen Gymnasium eingenommen haben dürfte - wie übrigens fast jedes Jahr.

Einen Wermutstropen allerdings hatten die beiden Festredner Axtner-Borsutzki und Schafflik für das Auditorium. Die Facharbeitsabgabe am 23.Dezember vergangenen Jahres war in eine Feier mit Polonaise und wohl etwas zu viel Alkohol ausgeartet. Dass die Schüler aber vom Schulgelände verwiesen wurden und ihnen das Direktorat mit einem Polizeieinsatz drohte, fanden sie nicht so gut: 'Wir hätten uns mehr Offenheit gewünscht, gerade bei Aktionen, die den sonst tristen Schulalltag kurz unterbrechen.' Ansonsten freuten sie sich über das harmonische Miteinander in der Kollegstufe und die sechs schönen Feste. An die Lehrer gerichtet, sagten beide stellvertretend für die Abiturienten: 'Wir denken, dass sie uns vermissen werden.'

Einen Blick in die Zukunft warf dann JEG-Direktor Kurt Stecher. Er sprach den Abiturienten Mut zu, forderte sie zur Zuversicht auf und warnte vor einem kulturpessimistischen Blick auf die Gegenwart: 'Lassen Sie sich nicht ins Bockshorn jagen. Betreiben Sie keine Schwarzmalerei.' Denn: 'Wir leben in einer interessanten Zeit.' Genauso sieht es die stellvertretende Landrätin Rehm.

Schließlich wurden die besten Schüler geehrt. Jeweils einen Schnitt von 1,5 haben die Absolventen Alexander Blum, Anna Carina Axdner-Borsutzki, Maximilian Hallweger, Lena Plösch und Benjamin Schumann. Sandra Benning, Kathrin Brandl und Annemarie Eckhart erreichten einen Notendurchschnitt von 1,4. Die Gesamtnote 1,3 erlangten Stefanie Becher, Daniela Heinrich und Niklas Nüske. Es folgten Tabea Dobler, Andreas Roth, Pascal Schliski und Felix Wirth (1,1). Das beste Ergebnis können Theresa Forster und Julia Haas aufweisen (1,0).

'Das Abitur kann den Weg zu einer erhobenen Tätigkeit ebnen', so Direktor Stecher. Er wünscht sich, dass so mancher ehemaliger Schüler neue Entwicklungen vorantreibt, zum Beispiel in der Energiepolitik. Gerade die Begeisterungsfähigkeit junger Menschen sei jetzt gefragt. Aus der Schulzeit, die nun unwiederbringlich zu Ende ist, sollen die Absolventen 'schöne Momente und gute Freundschaften' mitnehmen.


Quelle: Süddeutsche Zeitung Dachau, 7.05.11