Hohe Gesangskunst
Ein Abend mit Goethe-Liedern und der Altistin Christel Borchers von der Bayerischen Staatsoper
Von Andreas Pernpeintner, Dachau
Gudrun Forstner ist nicht nur Musiklehrerin am Josef Effner-Gymnasium, sondern eine gefragte Solistin und vor allem Orgelvirtuosin. (Foto: Toni Heigl)

Es ist ja nicht so, dass die wissenschaftliche Vortragsreihe am Josef-Effner-Gymnasium (JEG), bei der Lehrer der Schule Einblicke in ihre Fachgebiete und Interessen geben, in den vergangenen Jahren ganz und gar unmusikalisch gewesen wäre. Effner-Urgestein Hans-Peter Hagedorn etwa erfreute schon mehrmals mit seinen Kenntnissen und seiner Liebe zum Musikdrama Richard Wagners. Doch welch wichtige Rolle die Musik in der diesjährigen Vortragsreihe spielt, ist außergewöhnlich. Dabei gilt es zu bedenken, dass die Veranstaltungen keineswegs auf das Dozieren im Sinne einer Vorlesung beschränkt sind, sondern viele Formen der Vermittlung annehmen können - und sei es die des Konzerts.

Um nicht zu sagen: des literarischen Konzerts. Am kommenden Donnerstag, 21. Januar, findet im Parkettbereich des Gymnasiums an der Erich-Ollenhauer-Straße ein Liederabend unter dem Motto "Wilhelm Meisters Liebestheater - eine literarisch-musikalische Reisebegleitung" statt. Johann Wolfgang von Goethes Roman "Wilhelm Meisters Lehrjahre" bildet dabei den roten Faden für eine Reihe von Goethe-Vertonungen, die sich mit dem Roman und seinen Figuren in Beziehung setzen lassen und die sich - wie sollte es bei Musik anders sein - heftig um die Liebe drehen. Gesprochene Texte zwischen den Liedern verdeutlichen die inhaltliche Verbindung der vertonten Gedichte mit dem Wilhelm-Meister-Stoff, die Kompositionen stammen aus den Federn von Beethoven, Schubert, Schumann, Mendelssohn, Brahms und Hugo Wolf.

"Pädagogisch wertvoll", nennt JEG-Musiklehrerin Gudrun Forstner dieses Konzept - und sie hat natürlich recht, denn nicht nur ein großer Brocken Goethe wird auf diese Weise ungemein appetitlich aufbereitet, sondern man erhält auch einen hervorragenden Einblick in eine beachtliche Zeitspanne des musikalischen 19. Jahrhunderts.

Die Idee für das Programm, ursprünglich ersonnen für ein Hauskonzert im Herbst 2014, stammt von Forstners früherer Gesangslehrerin, der Altistin Christel Borchers, bekannt als Wagner- und Strauss-Interpretin an der Bayerischen Staatsoper, Gesangspädagogin und einst Professorin am Salzburger Mozarteum. Sie tritt beim JEG-Liederabend unentgeltlich auf, das gilt auch für die Sopranistin Regina Klepper, den Tenor Anton Rosner, den Bariton Gottfried Rühlemann, Klaus Möller als Rezitator und Jürgen Borchers als Klavierbegleiter (als Flötist war er früher Mitglied der Münchner Philharmoniker). Damit erklingen mehrere Jahrzehnte Musikgeschichte und Goethe-Rezeption obendrein in verschiedenen Stimmlagen (nicht nur abwechselnd, sondern auch im Duett und Quartett) - was für einen solchen Liederabend durchaus etwas Besonderes ist.

Forstner selbst teilt sich mit Jürgen Borchers die Aufgabe der Klavierbegleitung. Dass es gelang, solch namhafte Solisten und Musiker für ein Konzert am JEG zu gewinnen, hat mit Forstners guten Kontakten als Musikerin zu tun. Studiert hat sie nicht nur Musiklehramt sondern auch Orgel und Kirchenmusik, wirkte einst als hauptamtliche Kirchenmusikern in Tegernsee und München-Haidhausen. Sie ist eine gefragte Instrumentalistin, als Continuo-Spielerin, als Orgelvirtuosin (bis hin zu Konzerten auf der berühmten Passauer Domorgel).

Vor einigen Monaten gab sie zusammen mit dem aufstrebenden Dachauer Schlagzeug-Star Christian Benning (Absolvent des Effner-Gymnasiums) in München und Tegernsee spannende Konzerte mit Orgel und Schlagwerk. Am 23. April 2016 wird sie - ebenfalls im Rahmen der JEG-Veranstaltungsreihe - auf der neuen Kaps-Orgel der Dachauer Kirche Mariä Himmelfahrt konzertieren. Zusammen mit dem Liederabend am kommenden Donnerstag ist das eine große Portion wunderbarer Musik am Josef-Effner-Gymnasium.

Wilhelm Meisters Liebestheater - eine literarisch-musikalische Reisebegleitung, 21. Januar, Josef-Effner-Gymnasium Dachau, Erich-Ollenhauer-Straße 12, Parkettbereich, Beginn 19.30 Uhr, Einlass von 19 Uhr an, Eintritt frei.

Quelle: Süddeutsche Zeitung Dachau, 18.01.2016