Gänsehaut pur
Die Schüler des Dachauer Josef-Effner-Gymnasiums begeistern das Publikum mit ihrem Weihnachtskonzert
Unbedingt in Hans Blumes Salonorchester mitspielen wollen auch die jüngeren Instrumentalisten. Foto: Niels P. Joergensen Dachau - "Make love not war" - so lautete die stärkste Botschaft des Weihnachtskonzerts am Donnerstagabend im Joseph-Effner-Gymnasium. Der Mittelstufenchor unter der Leitung der Musiklehrerin Jutta Weidner sang im Kanon - und schaffte Gänsehautstimmung bei den rund 600 Zuschauern in der vollbesetzten Aula. Eltern, Lehrer, Schüler so wie Ehemalige hatten sich wie jedes Jahr kurz vor Weihnachten versammelt, um die musikalischen Darbietungen der Schüler zu würdigen. Und weil die Nachfrage immer groß ist, gab es auch dieses Jahr wieder zwei Termine.

In ihrem insgesamt mehr als zweistündigen Programm zeigten die Schüler der Klassen fünf bis zwölf ihr Können. Geboten wurde viel. Gleich am Anfang swingte das etwa 40-köpfige Jazz-Salonorchester unter der Leitung von Hans Blume mit Stücken wie "Henderson Stomp"oder "Crazy Words, Crazy Tunes". Bemerkenswert wie Blume es gelang, Schüler aller Klassen im Orchester einzubinden. Selbst ehemalige Schüler traten mit auf. Und: "Unsere neuen, jüngeren Instrumentalisten haben seit Schuljahresanfang richtig Gas gegeben, weil sie unbedingt mitspielen wollten", berichtete der Orchesterleiter. Der Unterstufenchor gemeinsam mit der gesamten Klasse 5 a stimmte mit seinen alten, deutschsprachigen Weihnachtsliedern auf das bevorstehende Fest ein. Ebenso wie der Oberstufenchor, der das in lateinischer und deutscher Sprache verfasste Liedes "Psallite" aus dem 17. Jahrhundert von Michael Praetorius sang. Praetorius hatte zeitlebens eine Annäherung zwischen Protestanten und Katholiken angestrebt. Auch die Jazzband unter der Leitung von Dominik Hogl zeigte auf, wo sich Weihnachten musikalisch alles so versteckt hält: zum Beispiel in "Maryland, my Maryland", der Hymne des US-amerikanischen Staates Maryland, die sich eindeutig bei "O Tannenbaum" inspiriert hat.

Ganz in der amerikanischen (Highschool-)Tradition gaben sich gleich zwei Schulformationen: "Flying Stixx" und "The Puzzles" coverten die US-Punk-Rock-Band Green Day. Und in der Tat versprühte die junge Bassistin der Puzzles mit ihrem dunklen Lippenstift und ihrer hautengen, schwarzen Hose ein wenig Punk-Rock-Feeling.

Zwei junge Sechstklässler beeindruckten das Publikum mit ihren Soloauftritten: Während Taras Schreyer sich an dem ersten Satz von Beethovens Klaviersonate op 49, no. 2 herantraute und auch technisch auf hohem Niveau spielte, performte Lukas Prölß mit seiner akustischen Gitarre und seinem sanften Gesang den Abspannsong aus dem Kinofilm "Der Hobbit" und erhielt begeisterten Applaus. Für beide Schüler war dies der erste Auftritt vor so einem zahlreichen Publikum. Es war rührend zu sehen, wie sie sich zu ihrem gelungenen Auftritt anschließend gegenseitig gratulierten. Eines der Höhepunkte stellte das "Drums-Battle" der zwei Cousins Constantin Weber und Philipp Prell dar. An zwei Schlagzeugsets spielten sie sich gegenseitig rhythmisch den Ball zu, mal tribal, mal funky, das eine Mal unisono, das andere Mal als Frage-Antwort.

Zum stimmungsvollen Ende fanden sich dann mehr als Hundert Schülerinnen und Schüler auf der Bühne der Aula ein, um gemeinsam bei (elektrischem) Kerzenschein das traditionelle "Stille Nacht" in Simon and Garfunkels "Sound of Silence" musikalisch einzuweben. amd

Quelle: Süddeutsche Zeitung Dachau, 24./25/26.12.2016