Mitfiebern
Wie sich die beiden Oberstufenbetreuerinnen Elisabeth Barth vom Taschner und Annett Hübner vom Effner um ihre Schützlinge bemühen und versuchen, sie auf die Aufgaben richtig einzustellen
Von Deborah Portejoie, Dachau
Routine reicht nicht. Die Oberstufenkoordinatorinnen Elisabeth Barth vom Ignaz-Taschner-Gymnasium und Annett Hübner vom Josef-Effner-Gymnasium sind selbst angespannt und nervös. Dabei dürfen sie ihre Stimmung nicht auf die Abiturienten übertragen. Im Gegenteil: Sie wollen aufgeregte Schülerinnen und Schüler beruhigen helfen.

Annett Hübner versucht, in der Vorbereitungszeit auf die Gymnasiasten einzuwirken, langfristig zu lernen, um so gut auf die Prüfungen vorbereitet zu sein. Das soll ein sicheres Gefühl geben und gar zu schlimme Nervosität lindern. Auch Elisabeth Barth hat ihren Schülern dazu geraten, zeitig mit der Vorbereitung auf das Abitur anzufangen. Idealerweise hätten die Schüler bereits in den Winterferien einen Zeit- und Lernplan aufgestellt und in den Faschingsferien damit begonnen, intensiv zu lernen.

Die ideale Vorgehensweise sieht nach Ansicht der beiden Pädagoginnen so aus aus: "Zunächst sollte man sich mit Hilfe von Heft und Schulbuch einen Überblick über den Stoff verschaffen", sagt die Oberstufenkoordinatorin des Taschner-Gymnasiums. "Dann gilt es, sich die Grundlagen zu erarbeiten." Am besten fange man schon früh damit an, Abituraufgaben zu bearbeiten, rät sie, auch um den speziellen Stil zu verstehen, in dem Abituraufgaben gestellt werden. Die meisten Schüler beginnen erst während oder nach den schriftlichen Prüfungen, sich auf die zwei Kolloquien vorzubereiten. Das sei okay und reiche, sagt Barth, wenn man sich vorher schon einen Überblick verschafft habe.

Bewusst Stoff wegzulassen und nicht zu lernen, empfiehlt Elisabeth Barth nicht, denn die Lücken ergeben sich automatisch: "Mut zur Lücke muss man immer haben, weil man nicht alles zu hundert Prozent wissen kann." Auch Annett Hübner empfiehlt ihren Schülern natürlich nicht, auf Lücke zu lernen. "Man muss aber wahrscheinlich auf Lücke lernen, wenn man nicht genug Zeit hat", sagt sie. Die Oberstufenkoordinatorin des Effner-Gymnasiums versucht, den Abiturienten die Angst zu nehmen: "Abiturprüfungen sind eigentlich nur längere Klausuren. In den Kolloquien ist man bei bekannten Gesichtern, die einen garantiert nicht hängen lassen." Panische Angst muss man also nicht haben, eine gewisse Nervosität ist aber normal. "Die Nervosität überträgt sich von den Schülern auch auf die Lehrer", sagt Annett Hübner.

Die Lehrer stehen dieses Jahr vor der Belastung einer sehr knappen Korrekturzeit. Durch eine Online-Petition konnten die Abiturienten erreichen, dass die Noten nicht, wie zunächst geplant, nach den Pfingstferien bekannt gegeben werden, sondern nun am 2. Juni bereits feststehen müssen. Das lässt Deutschlehrern zum Beispiel anstelle der üblichen drei Wochen nur etwa zwei Wochen für die Korrektur Zeit. Elisabeth Barth hat Verständnis für die Petition, "ein Kompromiss wäre aber schön gewesen". Barth ist seit mittlerweile 17 Jahren Oberstufenkoordinatorin und hat zehn Abiturjahrgänge betreut. Vor den Abiturprüfungen wird sie aber immer noch nervös, "weil man weiß, was alles schief gehen kann". Erst wenn die Schüler an ihren Plätzen sitzen, und das Abitur beginnen kann, legt sich ihre Nervosität.

Nach dem Abitur haben die Schüler unterschiedliche Pläne. Ins Ausland zu gehen sei beliebt, sagt Annett Hübner. Häufige Ziele seien Australien und Neuseeland. Aber auch Hilfsorganisationen zum Beispiel bieten Möglichkeiten an, um nach dem Abitur ins Ausland zu gehen. "Viele haben aber schon konkrete Studienziele, einige haben auch bereits Plätze für ein duales Studium oder für eine Ausbildung", so Elisabeth Barth. Besonders in der Zeit kurz vor dem Abitur haben die Oberstufenkoordinatorinnen viel Kontakt zu den Schülern. Annett Hübner ist traurig, wenn die Schüler die Schule verlassen. Elisabeth Barth sieht das etwas pragmatischer. Der Abschied sei ein ganz normaler Vorgang, besonders, da der nächste Abiturjahrgang, den Barth betreuen wird, ja schon in den Startlöchern steht.

Quelle: Süddeutsche Zeitung Dachau, 24.04.2017