"Ich war nicht der beste Schüler"
Der künftige Schulleiter des Josef-Effner-Gymnasiums Peter Mareis kann auch Jugendliche verstehen, die Probleme beim Lernen haben. Diese Erfahrung wird er wohl auch bei seinem pädagogischen Konzept berücksichtigen, denn er will Bildung vermitteln
Von von Susanne Schröder-Bergen, Dachau
Neun Jahre lang war er der zweite am Gymnasium Puchheim. Doch jetzt steigt Peter Mareis auf: vom Stellvertreter zum Schulleiter. Sein neuer Arbeitsplatz ist jedoch nicht wie bisher in Puchheim, sondern in Dachau. Der 50-Jährige wird von August an Kurt Stecher ablösen, der nach 17 Jahren als Direktor des Josef-Effner-Gymnasiums in Ruhestand geht. Mareis gibt sich motiviert, erfahren und herzlich im Gespräch mit der SZ.

Freuen Sie sich auf Ihre neue Aufgabe?

Peter Mareis: Ja, ich freue mich sehr. Aber weder Karriere noch Geld waren ausschlaggebende Gründe für die Bewerbung. So wie ich das sehe, ist das Josef-Effner-Gymnasium eine tolle Schule, die von Herr Stecher und seinem Team ausgezeichnet geleitet und geführt wird.

Welche Gründe hatten Sie dann für Ihren Wechsel?

Es geht mir darum, mehr gestalten zu können, das ist der wesentliche Grund für meinen Wechsel. Ich merke, dass die Schüler meinen Unterricht mögen. Dennoch ist da der Gedanke, dass ich vielleicht noch mehr erreichen kann. Schule soll als Raum wahrgenommen werden, in dem man gut miteinander lernen kann. Diesen Raum möchte ich ausbauen - natürlich nicht allein, dafür braucht man ein Team. In Dachau stehe ich da auf breitem Boden. Und mir wurde warm ums Herz, als ich erfuhr, dass das Kollegium, wie auch schon in Puchheim, sehr engagiert ist.

Welche Neuerungen ergeben sich für Sie, wenn Sie nach Dachau kommen?

Das Josef-Effner-Gymnasium bietet einen gebundenen Ganztagszweig an. In Puchheim gab es eine offene Ganztagsschulbetreuung, zwei Formen, die sich doch stark unterscheiden. Beide Schulen sind aber naturwissenschaftlich-technologische und sprachliche Gymnasien, wobei das Josef-Effner-Gymnasium noch etwas größer ist.

Werden Sie dann gar nicht mehr unterrichten können?

Doch, ein Schulleiter muss auch noch unterrichten. Ich möchte das auch. Der Umfang ist jedoch geringer, denn als Schulleiter unterrichtet man im Regelfall an die zwei Stunden. Es ist auch wichtig, damit man sich nicht zu weit von den Schülern entfernt. Gerade das ist mir ein großes Anliegen.

Der Schwerpunkt ihrer Tätigkeit liegt aber jetzt beim Organisieren.

Ich mag beides, organisieren und unterrichten. Hier werde ich die Möglichkeit haben die Pädagogik der Schule zu organisieren. Viele Dinge wie Unterrichts- und Personalentwicklung sind sehr wichtig. Die Schüler und auch die Lehrer sollen sich wohl fühlen. Ich glaube zwar, dass das Unterrichten ein bisschen in den Hintergrund rückt, aber Gespräche und der Ideenaustausch bleiben, denn das Team ist wichtig.

Was sind für Sie die kommenden Herausforderungen?

Das neue neunstufige Gymnasium (G9) ist sicher die Herausforderung für die nächste Zeit. Jetzt sind wir in einem G8. In meinen Aufgabenbereich fällt es nun, gleichzeitig das G8 fortzuführen und das G9 wieder einzuführen. Ich habe in Puchheim schon mit dem gleichzeitig verlaufenden G8 und G9 Erfahrung gesammelt, weil dort der Pilotversuch Mittelstufe Plus läuft. Auch durch dieses Testmodell hat die Politik erkannt, dass das neunjährige Gymnasium wieder gewünscht ist.

Profitieren sie auch von den Erfahrungen, die Sie am Gymnasium Puchheim gemacht haben?

Ja, ich habe das Projekt organisatorisch mit anderen bei uns an der Schule begleitet. So bekommt man einen guten Durchblick, welche Schwierigkeiten es gibt, wenn zwei Systeme parallel laufen. Da es für die Mittelstufe Plus keinen vorgeschriebenen Stoffverteilungsplan gab, haben wir eng und sehr vertrauensvoll mit dem Kultusministerium zusammengearbeitet.

Wie wird das neue G9?

Im Grunde ist vieles klar. Man verteilt die Stunden neu, weil man jetzt wieder neun Jahre Zeit hat. Dabei versucht man Nachmittagsunterricht zu vermeiden. Ein paar, wenige Fächer gewinnen dazu. Es wird voraussichtlich keine Leistungskurse geben und das P-Seminar wird in die zehnte Klasse vorgezogen. Es wird auch einen Schnellzug geben, mit dem man das Gymnasium in acht Jahren durchlaufen kann.

Was hat Sie in Ihrer Schulkarriere geprägt?

Ich war nicht der beste Schüler, erst im Studium hat sich das umgekehrt. Deswegen, denke ich, ist es eine meiner Stärken, dass ich auch die Schüler verstehen kann, die Probleme in der Schule haben. Aber ich weiß durch meine Erfahrungen im Studium und Referendariat auch, wie es ist, wenn man sehr gut ist.

Welche pädagogischen Ziele haben Sie?

Ein zentraler Punkt ist, dass der Schüler der im Mittelpunkt unseres Geschehens stehen muss. Wir sind da, um jungen Menschen Bildung angedeihen zu lassen, damit sie mit dieser Bildung gewinnbringend und glücklich am Leben teilnehmen können. Zum Umsetzen dieser Gedanken braucht man die ganze Schulfamilie, Schüler, Lehrer und Eltern. Ein Blick in die eigene Geschichte ist aber auch unerlässlich. Hier in Dachau haben wir eine besondere Verantwortung mit der Aufarbeitung unserer Vergangenheit. Daher freut es mich, dass es hier mit der Organisation der pädagogischen Schulführungen eine besondere Verbindung zur KZ-Gedenkstätte gibt.

Was machen Sie neben Ihrem Beruf?

Ich bin ehrenamtlich als stellvertretender Kirchenverwaltungsvorstand tätig und wir bauen gerade ein Pfarrheim in Überacker (Anmerkung der Redaktion: Gemeindeteil von Maisach), wo ich wohne. Ich betreue auch eine nigerianische Flüchtlingsfamilie. Wir treffen uns jeden Samstag und gehen einkaufen, reden und spielen. Da habe ich gelernt: Für wichtige Dinge ist immer Zeit. Mein neues Hobby ist kochen. Das mache ich, wenn ich wirklich abschalten will. Aber ich bin dann der einzige der isst, weil ich so lange brauche, dass die anderen dann schon den Kühlschrank leer geräumt haben. (Mareis lacht)

Haben Sie schon Wehmut, weil Sie Puchheim verlassen?

Ja. Ich war unglaublich gern am Gymnasium Puchheim. Ich wurde wahnsinnig gut aufgenommen und bin mit meinem Chef, dem ganzen Kollegium, den Schülern und Eltern super ausgekommen. Herr Baptist hat mich meine Stärken ausleben lassen: bei der Unterrichtsentwicklung, ebenso wie der Schulentwicklung und dem pädagogischen Drumherum. Wie es im kleinen Prinz steht, habe ich mir viel vertraut gemacht und was man sich vertraut gemacht hat, für das hat man eine besondere Verantwortung. Aber ich hoffe, dass ich mir die Menschen in Dachau ähnlich vertraut machen kann. Ich gehe aber schon mit Respekt an die neue Aufgabe, ich hoffe, dass ich was Gutes mitbringen kann.

 

 

Quelle: Süddeutsche Zeitung Dachau, 29.06.2017