Gedämpfte Freude
119 Schülerinnen und Schüler verlassen heuer das Josef-Effner-Gymnasium. Aber sie sprechen auch offen über zwei Schicksalsschläge
Von Maxi Köhler, Dachau
Sie beginnt wie jede Abiturfeier: Der Oberstufenchor singt, das Orchester spielt. Es werden lange Reden gehalten. Die Mädchen tragen Dirndl. Einige der Buben erscheinen in Lederhosen. Die Mehrheit in Jeans und Sakko. Nach zwölf Jahren Schule endlich das erlösende Abiturzeugnis in der Hand zu halten - darauf freuen sich alle 119 Abiturientinnen und Abiturienten des Josef-Effner-Gymnasiums. Doch "ein Abschied ist immer schmerzhaft - egal wie lange man sich bereits darauf freut", betont Schulleiter Kurt Stecher, der selbst nur noch vier Wochen im Amt ist und in Pension geht.

Bis dahin ist die Stimmung ausgelassen und fröhlich, eben wie bei jeder Abiturfeier. Aber vor der Übergabe der Zeugnisse gibt es eine Schweigeminute. Im vergangenen Jahr haben die Abiturienten einen Mitschüler verloren, der beim Klettern tödlich verunglückte. Ein anderer hatte einen so schlimmen Unfall, dass seine Zukunft auch heute noch ungewiss ist. Lehrer und Schüler sprechen davon, dass sie dieses Schicksal zusammengeschweißt habe. Dieses Gefühl ist an diesem Tag zu spüren, auch wenn die Reden die heiteren Seiten der Schulzeit beleuchten.

Aus einem neuen Blickwinkel betrachteten Tim Eder, Sarah Lux und Lisa Koller ihre Schullaufbahn. In ihrer Rede vor Eltern, Verwandten und Freunden verwandeln sie ihr Gymnasium in eine märchenhafte Burg, die sie als vor acht Jahren als kleine Ritter zum ersten Mal betreten hatten. Ihr Schulleiter Kurt Stecher herrschte dort als Majestät, dem alle unterstellt waren. So erzählen sie von ihren gemeinsamen Erlebnissen. Oft werden sie vom Applaus und Lachen des Publikums unterbrochen. Sie betonen besonders, wie sehr sie den Zusammenhalt innerhalb des Jahrgangs zu schätzen wüssten und wie dankbar sie dafür seien.

Die Elternbeiratsvorsitzende Ursula Eder weist in ihrer Rede stolz darauf hin, dass ein Drittel des Abiturjahrgangs einen Durchschnitt von 1,9 oder besser habe. Unter den klügsten Köpfen des Jahrgangs sind 30 Mädchen und gerade mal sieben Buben. Und doch schaffte es einer von ihnen an die Spitze: Kilian Heim wird mit einem Durchschnitt von 1,0 als Jahrgangsbester ausgezeichnet.

Fünf Abiturientinnen werden für ihr herausragendes soziales Engagement in der Schule ausgezeichnet. Vier Ex-Schüler und eine Ex-Schülerin wiederum für ihre besonders lobenswerten Seminararbeiten. Als Stellvertreterin des Landrates ist Marianne Klaffki in den großen Saal des ASV Dachau gekommen, um den frischgebackenen Abiturientinnen und Abiturienten zu gratulieren und ihnen Mut für ihren weiteren Lebensweg zu geben. Sie spricht von einem "ganz besonderen Meilenstein" und dass die Gesellschaft "junge, kluge Köpfe" brauche, um Dinge völlig neu betrachten zu können.

Quelle: Süddeutsche Zeitung Dachau, 01.07.2017