Wie Star-Geigerin Julia Fischer junge Talente unterrichtet
Bei den Musikferien in der Evangelischen Akademie kann der Ton schon mal etwas strenger werden.
Von Ellen Krugg, Tutzing
Alles ist ruhig in der Evangelischen Akademie in Tutzing, es ist Mittagspause. Plötzlich dringt eine angenehme Klaviermelodie aus dem großen Musiksaal, es klingt nach einem Profi. Doch am glänzenden Steinway-Flügel sitzt kein Profi. Dort sitzt Taras Schreyer, er ist erst Zwölf und nutzt die Pause, um einmal ungestört an dem kostbaren Instrument üben zu können. Üben, das ist der Hauptbestandteil der alljährlichen Musikferien unter der Schirmherrin Julia Fischer. Kinder und Jugendliche aus der Region, aber auch von weit her, haben sich in der Akademie versammelt, um an ihren Fähigkeiten zu arbeiten - denn sie alle haben ein herausragendes musikalisches Talent. Violine, Viola, Violoncello und Klavier wird hier unterrichtet - auf einem sehr hohen Niveau, teils in Einzelunterricht, teils in Orchester-Formation.

Nachwuchspianist Taras ist schon das zweite Mal dabei. Seit fünf Jahren spielt er Klavier, doch es hört sich an, als hätte er nie etwas anderes gemacht. Zuhause in Dachau spielt er in der Schulband des Josef-Effner-Gymnasiums, meistens Jazz. Hier in der Akademie dagegen ist es Klassik; am liebsten mag er Mendelssohn und Bach. Das Schöne an den Musikferien: Es wird zusammen gespielt. Und das macht seiner Meinung nach besonders viel Spaß. Taras' Familie ist nicht sehr musikalisch, er ist eine Ausnahme. Aber für ihn spielt die Musik eine große Rolle. Auch privat hört er viel Klassik, insbesondere Stücke, die er gerade übt. Er nutzt - genau wie alle der etwa 60 Teilnehmer der Musikferien - nur allzugern die Möglichkeit, mit professionellen Dozenten wie Julia Fischer, deren Mutter Viera Fischer oder Kirill Troussov zu arbeiten, denn er möchte selbst gerne Pianist oder Komponist werden.

Taras Schreyer
Der zwölfjährige Taras Schreyer aus Dachau genießt die Musikferien am Starnberger See. (Foto: Georgine Treybal)

Quelle: Süddeutsche Zeitung Dachau, 03.01.2018