Mit frischem Übermut
Das Josef-Effner-Gymnasium hat einen neuen Schulleiter. Peter Mareis tritt in die Fußstapfen seines Vorgängers Kurt Stecher, der nach 17 Jahren im Amt zum Ende des vergangenen Schuljahrs in den Ruhestand gegangen war
VON THOMAS BENEDIKT
Dachau - Peter Mareis (50) leitet bereits seit August den Schulbetrieb des Dachauer Josef-Effner-Gymnasiums. Jetzt wurde er offiziell in sein Amt eingeführt. Nach den ersten fünf Monaten in seiner neuen Position zieht Mareis ein positives Fazit: „Die Kollegen haben mich sehr freundlich aufgenommen und verzeihen mir auch, wenn ich in frischem Übermut mal über das Ziel hinausschieße.“ Doch: Mareis war gut auf seine neue Aufgabe vorbereitet. Fünf Jahre war der Lehrer für Deutsch und Religion am Gymnasium in Gröbenzell tätig, bevor er für weitere fünf Jahre als persönlicher Referent des Staatssekretärs im Kultusministerium arbeitete. So lernte er neben dem Schulalltag auch die organisatorische und politische Seite des Lehrbetriebs kennen. Die vergangenen neun Jahre war er dann am Gymnasium in Puchheim, wo er als stellvertretender Schulleiter Erfahrungen für seine jetzige Position am Josef-Effner-Gymnasium sammeln konnte.

Aber nicht nur seine Berufserfahrung sorgte dafür, dass er sich schnell an seinen neuen Arbeitsplatz gewöhnen konnte. „Interessanterweise sehen sich beide Schulen äußerlich sehr ähnlich, da sie beide gleichzeitig vom Architekturbüro Behnisch gebaut wurden. Schon von daher habe ich mich gleich heimisch gefühlt.“

Auch sein Vorgänger hat großen Anteil daran, dass der Start reibungslos verlief. „Herr Dr. Stecher hat in seinen 17 Jahren das JEG auf enorm starke Beine gestellt. Das Ansehen ist sehr gut, die Organisation der schulischen Abläufe ebenso“, merkt der 50-Jährige dankend an. Bevor Mareis im August sein Amt antrat, hatte er sich bereits einige Male mit Kurt Stecher getroffen, der seinem Nachfolger das Josef-Effner-Gymnasium und seine Besonderheiten vorstellte und so zu einem wichtigen Ansprechpartner für Mareis wurde. Der erklärt: „Wir treffen uns auch weiterhin regelmäßig und tauschen uns aus.“

Eine der angesprochenen Besonderheiten ist die spezielle Geschichte Dachaus und die Nähe der Schule zur KZ-Gedenkstätte. In diesem Zusammenhang gibt es eine Reihe von Projekten, die sowohl von den Lehrkräften, als auch den Schülern selbst durchgeführt werden. Für Mareis ist dieser Aspekt ein wesentlicher Bestandteil des Schulprofils, weshalb er auch erfreut feststellte, dass die Zusammenarbeit mit der Gedenkstätte schon jetzt hervorragend funktioniere.

Eine weitere organisatorische Umstellung für den neuen Schulleiter stellt die gebundene Ganztagsschule dar, die in einem zweiten Schulgebäude, der ehemaligen Realschule, untergebracht ist. Aus seiner Puchheimer Zeit kannte er bisher nur das Modell der offenen Ganztagesschule.

Die größte Herausforderung der nächsten Jahre dürfte jedoch die Umstellung vom achtstufigen auf das neunstufige Gymnasium werden. Hierbei kann Mareis auf einen enorm wertvollen Erfahrungsschatz zurückgreifen, denn das Gymnasium in Puchheim war eine der Modellschulen, an denen das neue G9 getestet wurde.

Es kommt also viel Arbeit auf Peter Mareis zu. Den nötigen Ausgleich dazu findet der dreifache Familienvater in seiner Freizeit: Beim Kochen und Lesen kann er den Stress der Arbeit hinter sich lassen. Bevor die große Gymnasialreform kommt, will er aber „das erste Jahr erst mal alles gut kennenlemen“. Und die Kollegen werden sicherlich den hin und wieder auftretenden frischen Übermut ihres neuen Schulleiters gerne verzeihen.

Quelle: Merkur, 17.01.2018