Gespür fürs Geschäft
Drei Elftklässler des Josef-Effner-Gymnasiums zeigen bei einem bayernweiten Planspiel als junge Manager großes Geschick. Wenn sie den Wettbewerb gewinnen, fliegen sie in die Wirtschaftsmetropole New York
Von Marie Groppenbächer, Dachau
Dachau - Erfolgreiche Geschäftsführer stecken in Alina Zirngibl und den Geschwistern Barbara und Michael Gschwendtner, Schüler des Josef-Effner-Gymnasiums. Mit ihrer Firma "Optimus" und ihrem Produkt "Swagpack" belegen die drei Elftklässler den ersten Platz auf "ihrem Markt". Dieser ist Teil des bayernweiten betriebswirtschaftlichen Planspielwettbewerbs "Play the Market".

Die erste Spielphase dauerte sechs Wochen lang. Dabei mussten die drei ihr Können als Manager online unter Beweis stellen. Eine Woche entsprach einem Geschäftsjahr. Im Vordergrund stand der Jahresüberschuss. Geschickt mussten sie Entscheidungen in den Bereichen Beschaffung, Personal, Marketing, Produktion und Finanzierung treffen. Kein Problem für die wirtschaftsbegeisterten Schüler. Zu Beginn einer jeden Runde bekam jedes Team einen Newsletter zu Themen wie Öko-Bewusstsein oder Preissensibilität der Kunden. Darüber hinaus konnten Marktforschungsberichte angefordert werden. Eine kostspielige Investition, doch Michael bestand in jeder Runde darauf. Er sollte mit seiner Entscheidung Recht behalten. In keinem der sechs "Geschäftsjahre" liefen sie Gefahr, ein Darlehen aufnehmen zu müssen. Zur richtigen Zeit investierten sie in Ersatzteile oder Werbung und schlängelten sich so mit ihrem Einkommensüberschuss an ihren Konkurrenten vorbei.

Zukunftsorientierte Themen wie Nachhaltigkeit und ein umweltfreundliches Käuferbewusstsein spielten natürlich auch eine Rolle. Wenn der Konsument Öko forderte, bekam er das auch. Änderte sich jedoch die Nachfrage, musste "Optimus" mitziehen. Die Produktion wurde wieder umgestellt, der Wanderrucksack "Swagpack" bestand fortan aus nicht ökologischen Materialien, ganz nach dem Motto: Gewinnmaximierung statt Nachhaltigkeit. Auf die kritische Nachfrage des Schulleiters Peter Mareis antworteten die drei Schüler, dass diese Entscheidung durchaus kritisch zu sehen sei. Sie orientiere sich ausschließlich an der betriebswirtschaftlichen Relevanz. Leider spiele Ökologie jedoch bei der Bewertung keine Rolle. "In der Realität", so Barbara, "wäre ein solcher Wechsel nicht besonders authentisch". Da müsse man sich schon im Vorhinein überlegen, welche Zielgruppe genau angesprochen werden soll.

Dennoch: Auf Spielebene hatten die jungen Manager alles richtig gemacht. Das Halbfinale findet vom 15. bis 17. Juni in Hersbruck im AOK-Bildungszentrum statt. Die AOK ist Kooperationspartner des Veranstalters, des Bildungswerks der Bayrischen Wirtschaft e.V. Der Schwierigkeitsgrad wird steigen, und es werden unerwartete Situationen auf die Schüler zukommen. Diese werden sie aber sicher mit kühlem Kopf und einem feinfühligen Geschäftssinn lösen können. Vertreter der Wirtschaft stehen ihnen dabei zur Seite. Sollten Alina, Barbara und Michael auch diese Runde überstehen und im Finale landen, haben sie die Chance, als Hauptgewinn eine Sprachreise in die Wirtschaftsmetropole New York zu gewinnen.

Im vergangenen Herbst hatten die Lehrer für Wirtschaft und Recht, Kathrin Ache und Jochen Uhrmann, die Schüler auf das Projekt aufmerksam gemacht. Seither betreuen sie die Elftklässler dabei. Bewundernswert sei, so die Lehrkräfte, dass sich die Schüler fast alles allein erarbeitet und eigenständig Runde um Runde bewältigt hätten. In Hersbruck wollen sie unter den 40 Besten die Besten sein.

Quelle: Süddeutsche Zeitung Dachau, 08.06.2018