Die Hoffnungsträger
384 junge Menschen aus dem Landkreis halten nun ihre Abiturzeugnisse in den Händen. In politisch aufgeheizten Zeiten fallen die Reden der Schulleiter und Lokalpolitiker ernster aus als in anderen Jahren
Von Marie Groppenbächer, Dachau/Markt Indersdorf
Endlich geschafft! - Dieser Satz schwirrte an diesem grauen Freitagmorgen im Juni vermutlich durch 384 junge Köpfe. An diesem Tag bekamen 384 Gymnasiasten aus dem Landkreis Dachau zum letzten Mal in ihrer Schullaufbahn Zeugnisse - Abiturzeugnisse. Zu diesem Anlass veranstalteten das Ignaz-Taschner-Gymnasium, das Josef-Effner-Gymnasium und das Gymnasium Markt Indersdorf (GMI) wie jedes Jahr eine festliche Abschiedsfeier....

Am selben Morgen versammeln sich die 151 Abiturienten des Josef-Effner-Gymnasiums samt Anhang und Lehrerschaft in der Halle des ASV in Dachau. Trotz Turnboden und Sporthallengeruch wird schnell klar, das ist ein Festakt. Die meisten der Absolventen haben ihre Tracht angelegt, die Mädels im Dirndl, die Buben in Lederhose und rot kariertem Hemd - sehr traditionell. Hoher Besuch ist auch erschienen: Landrat Stefan Löwl (CSU), SPD-Landtagsabgeordneter Martin Güll und Oberbürgermeister Florian Hartmann (SPD). Letzterer legte einst auch seine Matura am "Effner" ab.

"Per Aspera at Astra", so wollte Landrat Löwl eigentlich seine Rede beginnen. Weil die Fußballmisere vom Mittwoch aber noch tief sitze und Spieler und Fans auf den harten Boden der Tatsachen hat fallen lassen, müssen sich auch die Schüler auf Bescheidenheit rückbesinnen. "Ihr seid nichts Besonderes ... ihr seid nicht der Mittelpunkt", mit solchen Worten hätten die Teenager an diesem Tag wohl nicht gerechnet. Doch die Stimmung hebt sich wieder, als deutlich wird, worauf der Landrat hinaus möchte: Leistung statt Auszeichnung. "Besteigt den Berg nicht, damit ihr gesehen werdet, sondern damit ihr die Welt seht", rät er zum Schluss.

Wieder haben zwei Mädchen "die Traumnote" 1,0 erreicht. Lena Wizani bleibt auch in Zukunft zielstrebig. Sie muss sich nur noch zwischen einem Studium in VWL, Physik oder Medizin entscheiden. Anders siehts da bei Lisa-Marie Kaut aus: "Ich weiß noch nicht was ich studieren möchte, da haben sich ja jetzt ungeahnte Möglichkeiten aufgetan, damit rechnet ja keiner". Neben den Jahrgangsbesten wird auch soziales Engagement gewürdigt. Acht Abiturientinnen setzen sich seit 2011 mit dem Arbeitskreis "Sonne für Kinder" für Waisenkinder in Uganda ein.

Die Abirede ist gespickt mit Anekdoten der letzten zwei Jahre. Mit Ballerspielmetaphorik wird das Abitur zum Endgegner und das neue Allgemeinwissen zum Waffenarsenal. "Wir haben alle Gegner in die Flucht geschlagen", heißt es stolz. Doch trotz Abitur, man lernt ja nie aus: So hat die beiden energischen Abiturredner nachher sicher jemand aufgeklärt, dass "Don't worry, be happy" nicht von Bob Marley, sondern von Bobby McFerrin ist. So oder so keine schlechte Wahl für ein Lebensmotto. Am Ende ihrer Rede erinnern die Beiden an einen verstorbenen Mitschüler und Freund. Gemeinsam wird ihm in einer Schweigeminute gedacht. Schulleiter Peter Mareis hält eine literarische Rede und appelliert an seine ehemaligen Schützlinge: "Das Leben ist ein Roman. Er kann von Ihnen geschrieben werden. Lassen Sie nicht andere Ihren Roman schreiben!"

Quelle: Süddeutsche Zeitung Dachau, 01.07.2018